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Weltendämmerung
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Teil 1: Der Sturm zieht auf

In dieser epischen Geschichte will ich euch erzählen von der Alten Welt und seinen Bewohnern, den Elfen, den Menschen, den Zwergen und manchem boshaften Gelichter. Dies ist eine Geschichte aus einem vergangenen Zeitalter, aus einem Zeitalter der Magie und des Kampfes. Ich will euch berichten vom ewigen Kampf zwischen Gut und Böse und von einem möglichen Ausgang.

"Sie haben es gewagt hier zu landen?", brüllte König Sef und donnerte den Humpen mit Bier, den er in der Hand hielt mit voller Wucht auf den Tisch. Bierschaum bedeckte den langen, bis zum Bauch reichenden Bart des Mannes. Teller hüpften, Getränke schwappten aus ihren Kelchen, als der König seiner Wut freien Lauf ließ. Zischend klang seine Stimme im Versammlungssaal der Burg Nordstern: "Die dreckigen Nordmänner haben es also tatsächlich gewagt an unserer Küste zu landen und nach Westen zu ziehen. Der alte Erikson ist wahnsinnig. Wo verdammt nochmal ist Dekar?" Nach Vernehmen seines Namens trat ein großer Krieger aus dem Schatten eines Wandteppichs und kniete sich vor den Thron, auf dem Sef saß. Dekar trug ein schillerndes Kettenhemd, von den Zwergen aus dem kalten, fernen Norden geschmiedet und darüber einen Umhang, welcher am Hals von einer goldenen Brosche zusammengehalten wurde. Die Hosen des Soldaten bestanden aus dem teuersten, besten Leder, welches man in den Westlichen Reichen finden konnte. An der linken Seite baumelte ein mächtiges Schwert mit goldenem Griff. Die Scheide der Waffe war über und über mit Edelsteinen und Juwelen besetzt und schimmerte sanft im Licht des Saals. Dekars Helm war dunkelblau, beinahe schwarz und mit leuchtenden Federn verziert. "Hauptmann Dekar zur Stelle König Sef!", sprach Dekar mit seiner tiefen Stimme und schaute zum König auf, während er sich mit dem linken Unterarm auf sein rechtes Knie stützte. Sef erhob sich, Nahrungsreste und sonstiger Abfall fielen auf den Boden und rollten die steinigen Stufen hinunter. Der alte König trat das Treppchen hinunter, um sich vor seinen Hauptmann zu stellen. Die Schritte seiner Stiefel tönten in der Stille und hallten von den Wänden wider. Sef stand nun unmittelbar vor dem mächtigsten Krieger des Reiches und sprach ruhig: "Erhebt Euch Dekar!" Der Hauptmann stand auf, das Kettenhemd klirrte leicht, das mächtige Schwert schlug sanft gegen die Hüfte des Mannes. Dekar hielt kurz inne und fragte: "Was soll Euer Diener für Euch tun, König Sef?". Sef antwortete nicht direkt. Die Blicke der beiden Männer trafen sich knisternd, als würden sie einen verdeckten Kampf austragen. Schließlich beschloss der König zu antworten: "Der Alte Erikson hat es gewagt an unserer Küste zu landen. Das ist ein klarer Verstoß gegen die Verträge, die schon seit Jahrtausenden Gültigkeit haben. Ich will, dass Ihr zu Eriksons Feldlager reitet und ihn fragt was ihn zu dieser närrischen Tat bewogen hat." Dekar nickte: "Ich soll also Euer Mund sein, nicht wahr mein König!" Sef nickte langsam und rief: "Bringe man Dekar eine Karte, sofort! Und nun möge Eure Aufgabe beginnen!" "Es ist mir eine Ehre mein Lehnsherr!", sprach Dekar, machte eine Verneigung und drehte sich um. Sein Umhang wehte nach oben, als der Hauptmann schnellen Schrittes den Saal verließ und im Laufen einem Diener die Karte aus der Hand riss.
Als wieder Ruhe eingekehrt und Dekar fort war, erhob sich einer der engsten Berater Sefs und fragte leise und unsicher: "Seid Ihr Euch sicher, dass dies eine kluge Entscheidung war. Wie oft wurden schon die Köpfe der Unterhändler zurückgeschickt, mit der Kriegserklärung im Mund!" Sef kraulte seinen Bart und antwortete brummend: "Ich kenne den Alten Erikson. Die Nordmänner sind stolz und stark, doch ihr Heer ist dem unsrigen unterlegen. Er wird nicht angreifen, deswegen fürchte ich auch nicht um Dekar!" Der Berater nickte und ließ sich wieder auf den Eichenstuhl sinken. "Gewiss!", sagte er zustimmend.

"Wo ist mein Pferd?", schallte Dekars Stimme durch Nordsterns Ställe. "Ich habe keine Zeit zu verlieren, der König hat mir persönlich eine Aufgabe zugetragen!" Dekars Knappe trat unbehaglich von einem Fuß auf den anderen und musterte seine schlammverkrusteten Stiefelspitzen. "Ich war beim Schmied, es brauchte neue Hufeisen. Als ich wiederkam, war Euer Goldfunke verschwunden!" Dekar schlug sich die Hand vor die Stirn. "Ich reite nicht auf einem anderen Pferd. Goldfunke ist das schnellste Pferd in diesen Ställen, mit Ausnahme von König Sefs Tier." "Ich weiß mein Hauptmann!", beeilte sich der Knappe zu sagen und nickte nervös. "Das ist toll, wenigstens das weißt du, verblödeter Narr. Ich sollte dich hängen lassen!" Plötzlich ertönte eine vergnügte, helle Frauenstimme vom Eingangstor der Ställe und sagte: "Seid nicht so hart zu dem Jungen, Hauptmann Dekar! Ich habe mir das Pferd in seiner Abwesenheit ausgeborgt. Euer Goldfunke ist ein prachtvolles Tier, ich wollte es immer reiten." Dekar drehte sich herum und machte eine Kniebeuge. "Prinzessin Sefera! Hätte ich dies gewußt, hätte ich Euch doch zum Ausreiten mitgenommen. Doch unterhalten wir uns später über solche Angelegenheiten. Ich habe einen Auftrag größter Wichtigkeit zu erledigen. Euer Vater teilte ihn mir selber mit!" Seferas Gesicht wurde traurig, als sie sprach: "Ich habe vom Alten Erikson gehört. Glaubt Ihr, er greift uns an!" Dekar rieb sich mit einer Hand die Nase, als er antwortete: "Die Nordmänner haben kein starkes Heer. Nur ein Narr oder ein überheblicher, weibischer Elf würde die Westlichen Königreiche angreifen. Ich werde Eriksons Absichten in Erfahrung bringen und Eurem Vater mitteilen!" Sefera zuckte zusammen und sagte mit mildem Vorwurf in ihrer Stimme: "Redet nicht so über die Elfen. Sie sind ein prächtiges Volk und sehr gewandt in allem was sie tun. Der Krieg vor drei Jahrhunderten war nicht ihre Schuld!" Dekar lachte auf: "Meine Vorfahren kämpften tapfer, die Spitzohren zogen sich daraufhin tief in den Süden zurück. Dort sollen sie auch bleiben. Doch nun entschuldigt Prinzessin. Die Pflicht ruft!" Mit diesen Worten erhob sich Dekar und schritt an Sefera vorbei. Im Burghof wartete auch schon Goldfunke und begrüßte ihren Besitzern mit einem eindeutig freudigen Wiehern. Der Hauptmann legte seine Hand auf den Hals des Pferdes und ließ sie über das glänzende, braune Fell gleiten. Das Tier schnaubte vergnügt. Schließlich hielt Dekar für wenige Sekunden inne, packte den Sattelknauf und schwang sich kraftvoll auf den Rücken seines Tiers. "Nun bringe mich an mein Ziel Goldfunke und zwar geschwind!" Dekar zog an den Zügeln, woraufhin sich Goldfunke auf die Hinterbeine stellte und die Vorderhufe durch die Luft wirbelte. Das folgende Wiehern war laut und triumphierend. In donnerndem Galopp verließ Dekar an diesem Tag Nordstern und ritt Eriksons Feldlager entgegen.

Es war Abenddämmerung, als Goldfunke schwerste Ermüdungserscheinungen zeigte. Schaum troff in dicken Wölkchen vom Maul des Pferdes. Schweiß rann über seine Flanken, während der Tritt des Tieres unsicherer wurde. Dekar bemerkte dies und zog leicht an den Zügeln um Goldfunken zum Anhalten zu bewegen. Schnaubend verlangsamte der Hengst seinen Schritt und blieb schließlich ganz stehen. Der Hauptmann glitt elegant aus dem Sattel. Er streichelte seinem Pferd über den Kopf und flüsterte ihm ins Ohr: "Du hast deine Sache heute sehr gut gemacht und mich meinem Ziel viele Meilen näher gebracht. Dir sei gedankt. Doch nun werden wir rasten." Dekar nahm ein Bündel aus einer Gepäcktasche und rollte es auf dem weichen Gras aus. Es war ein brauner Schlafsack, gefertigt aus dem selben Leder wie seine Hose. Es war Südleder, von den Elfen selber gefertigt und präpariert. Die Spitzohren verkauften es selten und wenn, dann zu sehr hohen Preisen. Der Vorteil war, dass man mit einem solchen Lederschlafsack kein Feuer brauchte. Die Wärme, die in diesem Sack herrschte war angenehmer als jede Flamme. Und außerdem unauffälliger. In der Regel brauchte sich ein unbewaffneter Wanderer aber keine Sorgen um Wegelagerer und Banditen machen, denn in den Westlichen Königreichen herrschten Gerechtigkeit und Zufriedenheit seit Jahrhunderten. Das dachte zumindest Dekar, als er plötzlich eine spöttische Stimme an seinem Ohr hörte. Sie sagte amüsiert: "Schaut euch mal den Narren an, der redet mit seinem Klepper!" Dekar schnellte hoch und rief: "Wer wagt es mich und mein Pferd zu beleidigen und uns zu verhöhnen. Ich bin Hauptmann Dekar, Kommandant von König Sefs Leibgarde aus der Feste Nordstern. Zeigt Euch elender Halunke!" Auf dieses Kommando hin, traten vier Männer aus den Büschen. Dekar konnte ihre Gesichter im roten Zwielicht der Dämmerung ganz genau erkennen. Diese vernarbten, wettergegerbten Fratzen bewiesen es schlüssig; dies waren Banditen! Dekar machte einen Schritt zurück und zog scheppernd sein Schwert aus der Scheide und schlug es einmal von Seite zu Seite, sodass es bedrohliche, zischende Laute in der Luft erzeugte. "Ihr Narren wagt es einen Boten des Königs anzugreifen!", sprach Dekar wütend und bückte sich leicht. Der größte der Männer, offensichtlich der Anführer, lachte und brüllte: "Zeigt es dem Großmaul!" Der erste Räuber zog zwei gebogene Orkdolche aus seinem rissigen Gürtel und grinste boshaft, bevor er auf Dekar losstürzte. Dieser hob sein Schwert und parierte den ersten Hieb. Das zweite Messer stieß vor wie eine Schlange, die sich auf eine Maus stürzt. Dekar drehte sich weg und schmetterte dem Gauner die Faust voll vor den Kopf. Es war ein mächtiger Hieb gewesen, erfüllt von rechtschaffenem Zorn und das merkte auch der Räuber. Ohnmächtig und mit einer klaffenden Platzwunde kippte er zur Seite. Der Anführer schrak zurück und schrie: "Er hat Grimm besiegt. Volkmer, Franx, tötet den Mann!" Die beiden Halunken sprangen vor und zogen ihre Waffen. Es waren beides gekrümmte, rostige Orksäbel. Wo hatten sie bloß diese Waffen her, fragte sich Dekar noch, kurz bevor er sich unter einem blitzschnellen Hieb wegduckte. Der Hauptmann reagierte eiskalt und rammte dem ersten Angreifer das Schwert in den Unterleib. Die Klinge trat blutbeschmiert am Rücken des Opponenten aus. Verzweifelt brüllte eine Stimme: "Franx!" Dekar drehte sich schnell um und wich dem Schlag des zweiten Angreifers aus, welcher nun ebenfalls nahe war. Der Streich verfehlte Dekar um Haaresbreite und enthauptete den bereits toten Franx. Eine Blutfontäne schoß in das Dämmerlicht, während Hauptmann Dekar die Zeit nutzte und seine Klinge aus Franx Bauch zog. Das war auch Glück, denn Volkmers nächster Hieb war schneller und kräftiger. Ihm so auszuweichen wäre selbst für Dekar unmöglich gewesen. Dieser hob sein Schwert, krachend und scheppernd trafen die beiden Klingen aufeinander. Plötzlich brach das Orkmesser ab, die schwarze, schartige Klinge fiel auf den Boden. Mindere Qualität, dachte Dekar triumphierend, als er sein Schwert mit einer unmenschlichen schnellen Bewegung fast bis zum Griff in den Leib seines Gegners rammte. Wütend blickte der Hauptmann den Anführer an. Dieser legte eine Hand auf den Schwertknauf und knurrte wütend. Dekar rammte seine Waffe in den Boden und sprach ruhig und gelassen: "Ihr habt gesehen wozu ich in der Lage bin! Seid nicht so töricht und greift mich an!" Dekar hatte gerade geendet, als der Räuber mit einem Wutschrei vorwärts sprang. Der anschließende Hieb war stümperhaft und ungekonnt geführt. Dekar schlug seinem Angreifer den Orksäbel einfach mit der flachen Seite seiner Klinge aus der Hand. In einer perfekten, eleganten Rückwärtsbewegung ließ er das Schwert auf dieselbe Art gegen den Kopf des Halunken schmettern. Der Mann taumelte und fiel auf seinen Rücken. Blitzschnell war Dekar über ihm und hielt im die Spitze seiner Waffe an die Kehle. Bedrohlich fragte er: "Wo sind wir hier, dass arglose Reisende von solchem Pack überfallen werden? Und wo habt Ihr die abstoßenden Orkwaffen her?" Der Räuberhauptmann antwortete zitternd: "Ein Stamm der Grünlinge ist auf dem Weg in die Westlichen Reiche. Sie kommen von Südosten, aus den Kahlen Ebenen. Die Bastarde haben bereits etliche Dörfer geplündert und niedergebrannt. Wir kamen an einem vorbei und fanden diese Waffen. Die Einwohner haben sich erbittert gewehrt!" Dekar war geschockt. Was bewegte die Grünlinge dazu die Westlichen Reiche anzugreifen? Warum verließen sie ihre Heimat in den Ebenen? Und der Alte Erikson? Warum verließ er den Norden? Dekar dachte kurz über diese Dinge nach und sprach: "Das sind wahrlich erschütternde Neuigkeiten. Erzählt mir mehr über die Orks!" Der Räuber fuhr direkt fort, Dekars Klinge am Hals fürchtend: "Es sind zwei komplette Stämme. Die Orks vom Schwarzen Pfeil und von den Stahlhäuten! Es sind zwei gewaltige Heere." Dekar erschrak wieder und fragte: "Wie habt Ihr es geschafft zwei Orkarmeen zu beobachten." Der Halunke sagte traurig: "Schaut auf meine Kleidung!" Dekar betrachtete sein Gegenüber genau und musterte ihn von oben bis unten. "Ihr seid von Burg Sturmfels. Ihr seid ein Späher!" Der Mann entgegnete: "Ja, ich war ein glorreicher Jäger von Sturmfels. Wir überwachten die südöstlichen Forste, als wir auf die Orks trafen. Von unseren dreißig Kameraden blieben nur ich, Grimm, Franx und Volkmer übrig. Wir wußten, dass wir nicht mehr nach Hause zurückkehren konnten. Wir haben Schande über uns gebracht." Dekar kannte den strengen Ehrenkodex der Jäger von Sturmfels. Wenn sie eine Aufgabe verpatzten, kehrten sie nie mehr nach Hause zurück, sondern lebten den Rest ihres Lebens in Armut oder eben als Wegelagerer. "Ich will Euch nicht vergeben", sprach Dekar, "aber ich werde Euer Leben verschonen, wenn Ihr mir für unser aller Überleben einen Gefallen tut!" Um überzeugender zu wirken nahm der Offizier sein Schwert von der Kehle des ehemaligen Jägers. "Was kann ich für Euch tun?", fragte dieser. Dekar öffnete eine seiner Satteltaschen und nahm etwas Pergament heraus, sowie eine Feder und ein Gläschen königsblaue Tinte. Er begann zu schreiben und erklärte dem Jäger seinen Plan: "Ich schreibe eine Nachricht an meinen edlen Lehnsherren, König Sef von der Feste Nordstern. Ich werde ihn mit diesem Brief über die Tätigkeiten der Orks aufklären. Ihr müsst mir bei Eurem Blute schwören die Nachricht schnellstmöglich zu überbringen." Der Jäger nickte und sprach: "Ich tue dies nicht für Euch, sondern für unser aller Wohl. Ich werde mich beeilen." Mit diesen Worten warf der ehemalige Jäger seinen Gefährten Grimm über die Schulter und verschwand in der anbrechenden Dunkelheit. "Sagt, Hauptmann Dekar schicke Euch! Und wenn ich noch Euren Namen erfahren dürfte?", rief Dekar noch. Der Jäger drehte sich im Laufen um und schrie: "Mein Name ist Tybald!" Schließlich legte sich der erschöpfte Dekar in seinen Schlafsack und fiel in einen unruhigen Schlaf.

Es gab allem Anschein nach noch Verrückte auf dieser Welt, das zumindest begriff Jarik, einer von König Sefs Leibgardisten, als er versuchte, einen verlumpten und vernarbten Wegelagerer vom Thronsaal zu verjagen. Der Mann war wahrscheinlich nicht ganz bei Trost. "Ihr werdet sicher keine Audienz beim König bekommen!", sagte Jarik wütend und stieß den Mann, der wild mit einem Pergament in der Luft fuchtelte, mit dem Schaft seiner Helebarde weg. "Ich habe genug von Euch", schrie Jarik und ließ die nun die blanke Klinge seiner Waffe durch die Luft fauchen. Der Streich verfehlte den Jäger um Haaresbreite und traf funkensprühend die Wand. Tybald taumelte entsetzt zurück und keuchte: "Haltet ein edler Gardist. Euer Hauptmann Dekar schickt mich!" Wieder hielt der Jäger das Pergament in die Höhe. Jarik blieb stehen und senkte den Schaft seiner Helebarde auf den Marmorfußboden. Er fragte fassungslos: "Woher kennt Ihr unseren Hauptmann? Das ist tatsächlich seine Handschrift und sein Siegel!" "So lasst mich doch mit König Sef sprechen!", flehte Tybald, der totalen Verzweiflung nahe. Jarik nickte stumm und öffnete einen der güldenen Torflügel. "Ich gehe vor!", sagte er bestimmt und trat ein. König Sef war bereits entsetzt aufgesprungen, seine Thronwächter hielten gewaltige, blitzende Schwerter in Händen. Sef rief wütend, wobei sich seine Hand vor Wut in seinem Gewand verkrampfte: "Jarik, Ihr besitzt die Frechheit, einen verlumpten Wegelagerer Zutritt zu meinem Thron zu gewähren! Ich werde Euch bestrafen! Wachen!" Die beiden Thronwächter in prachtvollen Rüstungen schritten mit weit ausholenden Schritten auf Jarik und Tybald zu, während ihre Klingen im Saal funkelten. "Ich beschwöre Euch König Sef, Euer Gardist handelte weiser als ein Geschichtenschreiber, als er mir Zutritt gewährte!", flehte Tybald. Sef lachte wütend auf: "Der Hund spricht vornehm. Das ist blanker Hohn, schneidet ihm die Zunge raus!" Die Wächter lachten böse und schwangen ihre Klingen. "Haltet ein mein König, der Mann hat eine Nachricht von Hauptmann Dekar!", schrie Jarik und riss seine Helebarde hoch, alle Loyalität im Angesicht des nahen Todes vergessend. Sefs Augen blitzten, als er gebietend die Hand hob um seinen Thronwächtern Einhalt zu gebieten. Seine Stimme wurde milder, als er sagte: "Tretet näher Halunke und zeigt mir die Nachricht!" Tybald trat nun vor und sprach: "Mein Name ist Tybald und ich bin ein alter Jäger von Sturmfels. Nennt mich nicht Halunke. Einzelheiten werdet Ihr in Dekars Brief lesen." Jarik sog scharf die Luft durch die Zähne. Niemand hatte es bisher gewagt so mit König Sef zu sprechen. Dieser nickte jedoch nur und nahm die Pergamentrolle. Er entfernte das Siegel, rollte das Papier auf und begann zu lesen. Während des Lesens verwandelte sich Sefs schönes, vornehmes Gesicht zu einer Grimasse der Wut und des Hasses. Gepresst sprach er: "Die elenden Grünlinge. Wie können sie es wagen. Jarik, stellt die Wachen auf und verdoppelt die Mannschaften. Gebt den anderen Hauptmännern Anweisung, alles für eine Verteidigung vorzubereiten! Diese miesen, triefäugigen Orks werden sich an den Westlichen Reichen die Nase blutig hauen." Dann wandte sich der König an Tybald: "Da Ihr ein Jäger wart, schätze ich, dass Eure Aufgabe fehlgeschlagen ist und Ihr nicht mehr nach Sturmfels zurückkehren werdet. Ich mache Euch zu Jariks rechter Hand!" Tybald schaute zu Jarik, welcher gütig lächelte. "Ich nehme dieses Angebot an", sprach der Gardist, "doch nun ruft die Arbeit!" Jarik und Tybald verneigten sich tief und verschwanden in den Tiefen der Feste Nordstern.

Erschöpft und erleichtert zugleich stieg Dekar aus dem Sattel und bedeckte seine Augen mit der linken Hand, während die rechte die Zügel hielt. In der Ferne konnte Dekar kleine Rauchwölkchen sehen und ferne Rufe vernehmen. Er hatte endlich Eriksons Feldlager gefunden. "Endlich Goldfunke!" sprach er und tätschelte seinem treuen Pferd sanft den Hals. Das Ross schnaubte erfreut und tänzelte auf der Stelle. "Legen wir die letzten Meter im Eilgalopp zurück", sagte Dekar und schwang sich gekonnt in den Sattel. Ein Schnalzen mit der Zunge gab Goldfunke Zeichen. Das Tier fiel in einen blitzschnellen Lauf, während Eriksons Feldlager am Horizont näherrückte. Erdreich und Pflanzen wurden unter Goldfunkes donnernden Hufen aufgewirbelt, Dekar duckte sich im Sattel und hielt seinen Kopf dicht über den seines Pferdes um nicht langsamer zu werden. Mittlerweile konnte der edle Hauptmann die hölzernen Palisaden mit angespitzten Enden sehen sowie ein großes hölzernes Tor. Der Nordmann, der Wache stand, blinzelte überrascht und hob seinen Kriegshammer. Bärenfett glänzte auf seiner entblößten Brust, welche sich unter seiner schweren Atmung hob und senkte. "Was ist Euer Begehr, edler Kämpe!", fragte der Nordmann mit seiner tiefen, kehligen Stimme, "seid Ihr ein Abgesandter und wollt König Erikson ebenfalls die letzte Ehre erweisen?" Dekar schrak im Sattel auf und fragte entsetzt: "Was meint Ihr mit letzter Ehre? Und wieso Abgesandter? Ihr sprecht in bedeutungslosen Rätseln zu mir, starker Nordmann!" Dekar stieg aus dem Sattel und stellte sich vor den Torwächter, welcher sich nun auf seinen Hammer stützte. Der Krieger antwortete: "Wir schickten vor vielen Monden Boten in die Westlichen Reiche um unsere Ankunft zu melden, denn wir wollten nicht gegen die Alten Verträge verstoßen." Dekar schob seinen schweren Helm nach hinten und kratzte seine Stirn. Er sprach langsam: "Ich verstehe nicht. Kein Bote erreichte die Feste meines Lehnsherren König Sef. Er schickte mich in Wut zu Eurem Herrn. Erklärt mir das!" Der Nordmann schüttelte den Kopf, wobei seine langen blonden Zöpfe umherwirbelten. Er sagte: "Lasst uns dies nicht hier machen. Betreten wir das Feldlager. Dort kann man besser reden. Und vielleicht lässt man Euch auch zu König Erikson." Mit diesen Worten stemmte sich der Krieger aus dem Norden gegen die massiven Torflügel. Dekar konnte sehen, wie sich mächtige Muskeln unter der Haut des Mannes wie Stricke spannten. Knarrend öffnete sich das Tor und Dekar trat ein
In Eriksons Feldlager herrschte Geschäftigkeit. Es war wirklich nicht so, wie König Sef es angenommen hatte. Erikson plante keinen Angriff. Es schien vielmehr eine Flucht gewesen zu sein. Kleine Kinder und wunderschöne Frauen gingen ihren täglichen Pflichten nach und arbeiteten in der strahlenden Sonne. Das war weniger ein Heerlager. Es war mehr eine kleine Siedlung. "Was ist euch widerfahren?", fragte Dekar, zog seinen Helm aus und klemmte ihn unter den rechten Arm. "Wir gehen zu meinem König Erikson. Sein Tod ist ohne Zweifel nahe!", antwortete der Nordmann. Dekar schaute seinen Begleiter an und fragte: "Wie ist eigentlich Euer Name, Krieger? Ich selber bin Dekar, Sohn von Arek, Hauptmann der Wache von Feste Nordstern!" Der bärtige Nordmann nickte und entgegnete: "Ich bin Torwyn, Sohn des Togar, Krieger von Erikson dem Starken!" Dekar nickte erfreut und ging weiter. Er konnte wenige Meter vor sich ein rotes Zelt sehen, auf dessen Spitze ein Banner im Wind wehte. Dieses Banner zeigte einen schwarzen Hammer auf rotem Grund. Die Königsstandarte von Erikson. Torwyn bemerkte Dekars überraschten Blick und sagte: "In diesem Zelt liegt unser König. Tretet ein!" Dekar trat an den beiden muskulösen Wächtern vorbei und betrat das Zelt. Es fiel kaum Licht in das Gebilde und die Luft war in dunstig und abgestanden. In der Mitte des Zeltes stand ein hölzerner Quader, gleich einem Altar, mit edlen Verzierungen an den Seiten. Auf diesem Altar lag ein Mann, an die zwei Meter groß, mit starker Brust und breiten Schultern. Der Bart des Mannes war von tiefem Schwarz, an der Seite des Kriegers lag eine mächtige doppelschneidige Axt. "Das ist der König! Tretet näher!", flüsterte Torwyn. Dekar nickte und schritt an den Altar, sodass Erikson ihn sehen konnte. Erst jetzt bemerkte der Hauptmann die zahlreichen Wunden auf Eriksons Körper und eine grünliche Stichwunde an seiner linken Brusthälfte. Die Verletzung leuchtete in einem schwachen Licht, sie war zweifellos vergiftet. Erikson öffnete seine spröden Lippen und sprach mühsam: "Tretet näher, edler Ritter. Tretet ins Licht, sodass ich Euch sehen kann!" Dekar trat näher und beugte sich zusätzlich über Erikson. Dieser fuhr gequält fort: "Ihr strahlt eine große Stärke aus tapferer Herr. Wer seid Ihr?" Dekar sagte würdevoll: "Ich bin Hauptmann Dekar von der Feste Nordstern und diene unter König Sef!" Erikson begann: "Ich weiß, weshalb Ihr hier seid. Wahrscheinlich haben Euch die Boten nicht erreicht. Die verfluchten Grünhäute schwärmen über den ganzen Kontinent. Ihr wollt sicher wissen, warum die unbeugsamen Nordmänner ihre Heimat verlassen! Ich gebe euch die Antwort. In unserer Heimat regt sich das Böse. Trolle und Dunkelelfen schwärmen aus ihren Löchern und Verstecken. Tiermenschen und Dämonen machten Jagd auf mein Volk. Wir waren gezwungen die Inseln zu verlassen. Ihr solltet auch schon die Veränderungen bemerkt haben. Die Orks verlassen die südöstlichen Ebenen und sammeln ihre Armeen. Die Zwergenschmieden erschaffen wieder Waffen und Rüstungen zu Tausenden, denn die Berge des Zwergengebirges stoßen dichten Rauch aus. Die Elfen streifen wieder durch ihre Wälder und ihr Misstrauen wächst. Dies sind Zeichen, die untrüglich sind. Der Sturm zieht auf." Dekar hatte sich während Eriksons Rede nicht gerührt. Hoffentlich organisieren die Westlichen Reichen eine gemeinsame Verteidigung, dachte er besorgt. Er schrak aus seinen Gedanken hoch: "Was können wir dagegen tun und wer ist Verursacher dieses Leids?" Erikson lächelte grimmig und brummte: "Ihr kennt sicher die gläsernen Ruinen, weit im Süden, noch hinter den Hohen Bergen der Elfen. In diesen Ruinen lebt ein unermesslich altes Böses, entsprungen aus dem Hass der Menschen und ihrer bösen Magie. Es ist der Dämonenprinz Charkta. Er schlief bislang, doch irgendwer öffnete seine häretische Gruft und belebte ihn wieder, sowie seine Armee aus Untoten und anderem perversen Getier. Nun ist er wieder wach und sinnt nach Rache. Er wird erst zufrieden sein, wenn alle Geschöpfe des Lichts tot und verdorben sind. Dekar straffte sich und sprach laut: "Wenn es sein muss werde ich Charkta zerstören und sein ganzes Heer aus Untoten. Ich bin ein mächtiger Kämpfer und ich fürchte weder Tod noch Teufel. Charkta wird sich wünschen nie erschaffen worden zu sein." Erikson lächelte und sprach: "Wenn dies euer Wille ist, tapferer Kämpe, soll es so sein. Ihr untersteht nicht meinem Befehl, doch ich kann mir denken, dass König Sef es so wollen würde! Ich werde ihm eine Botschaft schicken, transportiert von meinem besten Reiter, reitend auf meinem eigenen Pferd. Doch ich will nicht zulassen, dass die Westlichen Reiche den ganzen Ruhm einstreichen. Auch die Nordmänner sollen in zukünftigen Liedern und Gedichten besungen werden, drum wird einer meiner Männer Euch begleiten!" In diesem Moment trat Torwyn vor und erhob seine Stimme: "Dies scheint mir wahrlich eine Aufgabe für einen Helden zu sein. Mein Hammer lechzt nach unreinem Blut und außerdem erlebt Dekar Abenteuer und die brauche ich wie die Luft zum Atmen!" Erikson lachte, so laut wie er es in seinem Zustand konnte. Er sprach feierlich: "So soll es sein, Torwyn, Sohn des Togar! Und nun zieht gen Süden und besiegt Charkta!" Dekar trat von dem Altar zurück und verneigte sich tief. "Wir werden unsere Herren nicht enttäuschen!", sagte er laut, "auf, mein tapferer Gefährte! Dem Sieg entgegen!" Mit diesen Worten verließen die beiden Streiter das Zelt und suchen ihre Pferde.

Dekar und Torwyn hielten sich nicht mehr lange im Feldlager auf. Das einzige was sie brauchten, war Proviant und davon besorgten sie sich reichlich. Der Ritt über die Grasländer war recht mühelos und bequem, sodass die beiden Streiter eine lockere Konversation begannen. Dekar war es, der anfing: "Torwyn, seid ihr nicht besorgt um Euer Leib und Leben. Ich sehe, Ihr tragt keine Rüstung und ein Orksäbel macht vor einer starken Brust kein Halt." Torwyn lachte auf und sprach: "Rüstungen sind nichts für mich. Kein Ork wird je nahe genug an mich herankommen um einen gefährlichen Streich zu führen. Dafür sorgt mein Hammer." Er tätschelte den Schaft seiner Waffe, bevor er fortfuhr: "Das einzige was ich brauche ist Bärenfett!" Er wühlte in seiner Satteltasche und förderte eine Kartusche aus Metall zu Tage, öffnete sie und reichte sie Dekar, welcher neben dem Nordmann ritt. Dekar streckte die Hand aus und nahm die Kartusche. Er wog sie nachdenklich in Händen, bevor er vorsichtig am Inhalt, dem Bärenfett, schnupperte. Es stank bestialisch. Dekar würgte und sprach: "Jetzt weiß ich warum die Krieger aus dem Norden so stinken! Was nützt euch das Zeug? Eine Klinge wird es nicht aufhalten!" Torwyn lachte und sprach: "Das tut es wohl nicht. Aber da wo ich herkomme ist es viel Gold wert. Es hält einen warm und die Nächte in meiner alten Heimat sind sehr kalt. Außerdem besitzen nur wenige Krieger solches Fett. Ich habe den Bären schließlich selber erlegt, mit bloßen Händen!" Dekar betrachtete seinen Gefährten sehr genau. Bei dieser Statur war das wirklich nicht unmöglich.
Sie ritten eine Weile schweigend nebeneinander, als Dekar sich plötzlich horchend im Sattel aufrichtete. Auch Torwyn hielt inne und lauschte. Sie hörten das Geschrei von Menschen und das Scheppern von Metall auf Metall. Dekar rammte Goldfunke die Fersen in die Flanke und galoppierte in Richtung der Schreie. Auch Torwyn gab seinem Pferd die Sporen und brüllte erregt: "Das klingt nach einem Abenteuer. Jetzt bin ich sehr gespannt!" Kaum eine Minute später erreichten Dekar und Torwyn eine kleine, in Flammen stehende Ortschaft. "Ich kenne dieses Dorf, von den Bewohnern bekamen wir viele Waren! Es ist Fraya", sprach Torwyn. Dekar rief über das Prasseln der Flammen: "Wir müssen retten was noch zu retten ist." Die beiden ritten weiter in das Dorf und sahen schon bald den Feind. Orks, viele Orks mit Schwertern und Rüstungen. "Orkvolk!", brüllte Torwyn voller unmenschlichem Hass. Wütend trieb er sein Pferd nach vorne auf die erste Gruppe Grünlinge zu. Die abscheulichen Wesen drehten sich heulend in Torwyns und Dekars Richtung, welcher von seinem Pferd abgestiegen war und nun zu Fuß und sein Schwert schwingend auf sie zu lief. Torwyn erreichte die Orks zuerst und machte einen gewaltigen, einhändig geführten Streich gegen die Grünhaut, die es gewagt hatte, anzugreifen. Der Hammer Torwyns donnerte im Halbkreis durch die Luft und traf genau die Brust des Orks. Der Kontrahent wurde mindestens zwei Meter nach hinten geschleudert und landete mit zerschmettertem Oberkörper im Gras. Nun folgte auch Dekar und stellte sich gleich zwei blutdürstenden Orkkriegern. Die beiden knurrten böse, als sie mit erhobenen Säbeln auf den Hauptmann zuschnellten. Dekar stürmte nun seinerseits nach vorne, scheppernd trafen sich die Klingen, zischend trennten sie sich wieder. Dekar focht meisterlich, sein Schwert war wie ein Blitz des Todes und der Vernichtung. Die Orks begannen bereits an sich selbst zu zweifeln, als sie merkten das der schwache Mensch so schwach gar nicht war. "Ihr langweilt mich!", brüllte Dekar und beschloss, dass es an der Zeit sei, diesen Orks mal zu zeigen, wie man einen Kampf gewinnt und legte richtig los. Dekar sprang auf den rechten Ork zu und täuschte einen Hieb auf den Kopf an, was diesen Grünling in Deckung zwang, während er mit seinem Fuß austrat und den linken Ork am Knie erwischte. Der Grünling brach seufzend zusammen, seine Kniescheibe war zweifellos gebrochen. Nun wagte sich auch der rechte Ork wieder zu agieren und schlug mit seinem Säbel zu. Dekar parierte den Hieb ohne Mühe, während er mit der anderen Hand blitzschnell einen geheimen Dolch aus dem Gürtel zog und ihn der Grünhaut bis zum Griff in die Kehle jagte. Der Ork brach gurgelnd zusammen und sackte vor Dekar auf den Boden, während sich eine grüne Blutlache unter ihm ausbreitete. Das alles geschah in Sekunden. Der zweite Ork hatte es nun geschafft die Schmerzen zu ignorieren und griff wütend an. Wieder krachten die Klingen aufeinander. "Wenn ich mit dir fertig bin, wirst du höher als ein weibischer Elf singen, Orkschwein!", spie Dekar seinem Gegenüber entgegen und führte den Gegenangriff. Seine Klinge wurde zu einem glühenden Halbmond im Schein der brennenden Hütten und traf den Hals des Orks. Mühelos fuhr die Klinge durch Rüstung, Sehnen, Muskeln und Genick der verdorbenen Kreatur und enthauptete sie auf der Stelle. Grünes Blut schoss in die Luft als der Kadaver zurückstürzte. Dekar hatte zwei Feinde besiegt und schaute sich nun um. Wo war Torwyn. Dekar erblickte den Nordmann kurz darauf und sah wie er mit zwei Orks auf einmal kämpfte. Aber ohne Waffen. Torwyns Faust stieß vor und traf ein Wesen am Kopf, welcher in den Nacken geschleudert wurde. Der Ork taumelte rückwärts und stieß seinen Kameraden dabei um. Nun schnappte sich Torwyn wieder seinen Hammer und schlug zu. Der Kopf des einen Orks zerplatzte in einem Schauer aus Knochensplittern und Blut, der zweite ergriff die Flucht. Allerdings kam er nicht weit, denn aus der Ferne zischte ein Pfeil heran und traf den Ork zwischen die Augen. Tot sackte die Bestie zusammen. Gespenstische Stille senkte sich plötzlich über das Dorf, das einzige was noch zu hören war, war das Prasseln und Knistern der Flammen. Dekar senkte sein über und über mit Orkblut beschmiertes Schwert und schaute sich um. Die Orks, im Grunde alle gemeine Feiglinge, waren offensichtlich geflohen, als sie die beiden mächtigen Krieger erblickten, welche ihre Kameraden im Feuer des Kampfes zerschmetterten. Nun wagten sich die ersten Menschen auf die Straßen und hasteten zum Dorfbrunnen um ihre Häuser zu löschen. Dekar nickte und pfiff laut. Sekunden später stand Goldfunke hinter seinem Herren und stieß ihn mit dem Kopf an. Dekar drehte sich um und tätschelte den Hals des Tiers, als plötzlich auch Torwyn hinter da war. Er brummte: "Es waren noch etwa sieben Grünlinge da, doch das feige Pack floh, ohne einen richtigen Kampf." Dekar zuckte die Schultern. Er schritt zu seinen Opfern hinüber, bückte sich und wischte sein Schwert an dem Umhang einer Grünhaut ab. Außerdem zog er seinen kleinen Dolch aus dem Hals der anderen, säuberte ihn gründlich und steckte ihn wieder in seinen edlen Gürtel. "Gehen wir zu den Bewohnern", sagte Dekar. "Einverstanden", brummte Torwyn.
Die beiden Gefährten erreichten den Marktplatz, auf dem sich fast alle Menschen versammelt hatten. In der Mitte stand ein schlanker Mann auf einem Podest und brüllte etwas, was Dekar aber nicht verstehen konnte. Plötzlich drehte sich eine alte, gebeugt gehende Frau zu den Gefährten herum und rief: "Dort sind die mächtigen Krieger, welche in wenigen Minuten vier Orks verdroschen haben! Dort kommen unsere Retter!" Dekar schüttelte verzweifelt den Kopf, als die Menge anfing zu jubeln und zu applaudieren. Der Mann auf dem Podest rief über den Lärm des Sieges: "Sie haben nur drei Orks getötet. Der Vierte wurde Opfer meines Bogens! Doch nun, kümmert euch um euer Hab und Gut. Lasst mich allein mit den Helden reden!" Auf das Kommando des Mannes hin löste sich die Menschenmenge auf und wandte sich wichtigeren Dingen zu. Der Unbekannte sprang elegant von seinem Podest und landete vor Dekars Füßen. Er fragte: "Wer seid ihr. Ihr seid mächtige Kämpfer!" Torwyn war es, der antwortete: "Ich bin der Nordmann Torwyn, Togars Sohn und unbezwungen im Kampf, mein Gefährte ist Hauptmann und Schwertmeister Dekar von der Feste Nordstern. Wir befinden uns auf einer gefährlichen und heldenhaften Queste." Der Unbekannte lachte auf und sagte amüsiert: "Ich bin Harek, Sohn des Karman, Späher und Bogenschütze!" Dann fragte er mit blitzenden Augen: "Was ist das für eine Queste, von der Ihr sprecht, großer Nordmann?" Torwyn antwortete: "Wir wollen den Dämonenprinzen Charkta töten und diese Welt retten!" Harek lachte grölend. Kichernd wischte er sich die Tränen aus den Augen und sagte zitternd: "Ihr habt Muskeln, aber scheinbar wenig Hirn, sonst würdet ihr nicht an solche Ammenmärchen glauben!" Dekar sprach leise, mit einem bedrohlichen Unterton in der Stimme: "Euch fehlt es wohl an beidem Harek! Charkta existiert. Sagt mir, wann haben zuletzt Orks euer Dorf überfallen?" Der Bogenschütze überlegte lange und antwortete verdutzt: "Meine Familie lebt schon seit Generationen in Fraya, bisher ließen uns die Grünlinge in Ruhe!" "Seht Ihr", sprach Dekar, "ist Euch auch bereits der Rauch über dem Zwergengebirge aufgefallen. Die Zwerge schmieden wieder! Auch habe ich seit langer Zeit keine Elfen mehr gesehen, während mein Gefährte Torwyn von ihren dunklen Brüdern, den Dunkelelfen, aus seiner angestammten Heimat vertrieben wurde!" Harek sagte: "Irgendeine innere Stimme sagt mir, dass ich Euch glauben soll. Charkta existiert meines Wissens nur in Legenden. Ich will ihn sehen, ich begleite euch!" Torwyn schüttelte bestimmend den Kopf und sagte: "Sicher nicht. Ihr seid ein verweichlichter Bogenschütze und habt keine heldenhaften Absichten. Ihr wollt Charkta sehen, doch wenn es soweit ist, lauft Ihr weg!" Harek war nicht wirklich beleidigt, sondern fuhr fort: "Außerdem bin ich als Späher sehr weit herumgekommen und kann Euch zur Gläsernen Stadt führen. Und ich kann noch eine Geschichte oder ein Lied über unsere.. ich bitte um Entschuldigung, Eure Heldentaten schreiben. Ich habe studiert, in der Akademie von Steindorf." Dekar pfiff und sagte: "Ein Gelehrter und Bogenschütze, wobei mich das Erste eher interessiert! Was habt Ihr studiert!" Harek antwortete: "Ich habe das Geschichtenschreiben gelernt, sowie die Sprache der Elfen. Ich spreche sie nicht perfekt, aber ich kann die Spitzohren verstehen!" Dekar nickte: "Na gut, Ihr dürft uns begleiten. Wir werden wohl Elfenland passieren müssen und da wird Diplomatie nicht zu vermeiden sein. Ich bin ein Krieger, trotzdem bin ich davon überzeugt, dass man Konflikte auch ohne Schwert lösen kann!" Als der Hauptmann Torwyns zweifelnden Blick bemerkte, beeilte er sich hinzuzufügen: "Allerdings nur die wenigsten!" Harek schulterte seinen Bogen und zählte die Pfeile in seinem Köcher, bevor er sagte: "Na gut, dann werde ich euer dritter Gefährte sein. Dies ist mein Schicksal, bis zum Ende meines sterblichen Fleisches!" Torwyn schüttelte den Kopf und rief: "Seid ihr Philosophen oder Krieger. Ich habe Orkblut gekostet und es schmeckt nach mehr! Nun auf!" Dekar lachte: "Wartet Torwyn, hat unser Gefährte überhaupt ein Pferd!" Harek lachte ebenso und stieß einen hohen Ruf in der Elfensprache aus. Auf dieses Kommando hin schoß ein prachtvoller weißer Hengst aus dem Wald, begleitet von einem schwarzen, großen Schatten. "Ein Wolf!", rief Torwyn, "und er greift Euer Pferd an Harek, da seht Ihr, wie mächtig Charkta schon ist!" Harek lachte laut auf und sprach vergnügt: "Haltet ein Nordmann und senkt Euren Hammer. Dieser Wolf ist wiederum mein Gefährte. Er heißt Makim." Dekar schüttelte ungläubig den Kopf und schwang sich auf Goldfunkes Sattel. Er rief: "Ein edler Hauptmann, ein starker Nordmann, ein gelehrter Bogenschütze auf weißem Ross, begleitet von einem Wolf. Dies wird ein großartiges Lied!" Torwyn saß nun auch im Sattel und entgegnete: "Zweifellos!" Da ritten sie los, während Harek eine fröhliche Melodie summte.

Jarik und Tybald standen auf der Wehrmauer der Feste Nordstern und schauten in die Ferne. Sef hatte in seiner königlichen Weisheit eine gemeinsame Verteidigung organisiert und andere Herrscher der westlichen Reiche schickten nun ihre Mannen nach Nordstern, die östlichste Bastion der Reiche. "Gleich kommen König Martins Pikeniere!", sprach Jarik gespannt und beschattete seine Augen mit der linken Hand, während seine rechte die Helebarde umfasste. Tybald hatte seine Lumpen längst abgelegt und trug nun die leichte Rüstung eines Bogenschützen von Nordstern. An seiner Seite hing ein Langschwert. Die beiden starrten weiter in die anbrechende Dämmerung und sahen alsbald König Martins Truppen, die edlen Pikeniere. Ihre Waffe zeigten zum Himmel, die metallenen Spitzen blitzten in der untergehenden Sonne wie glühende Dolche. "Da kommen sie!", rief Tybald aufgeregt, "los, wir werden sie begrüßen!" Die beiden sprangen von der Wehrmauer in einen massiven Heuhaufen und ließen das Tor öffnen. Sie konnten bereits hören, wie etliche duzend Stiefel über die Ebene marschierten und die Männer sangen Lieder des Sieges und des Triumphes. "Sie sind da!", murmelte Jarik, woraufhin sein Unterkiefer herunterklappte. Die in blitzende Harnische und roten Seidenumhänge gewandeten Kämpfer nahmen im Burghof Aufstellung. Jarik und Tybald erklommen ein hohes Podest. Jarik begann seine Ansprache: "Hiermit begrüße ich die zwei Hundertschaften aus Pikenieren im Namen von König Sef. Euer König handelte weise, als er euch zu dieser Feste schickte, sind wir doch das erste Bollwerk gegen die Schrecken, die eine dunkle Macht gegen uns sendet. Ich bin mir sicher, Nordstern wird nicht fallen, wenn ich so wackere Männer sehe." Jarik drehte sich kurz um und schrie dann: "Zum Gruß!" Plötzlich ertönte ein donnernder Fanfarenstoß aus vielen Trompeten, woraufhin die Pikeniere anfingen zu jubeln. Jarik lachte und sprang von seinem Podest. Er landete vor dem edlen Hauptmann der Truppen. "Ihr seid also der berühmte Hauptmann Edrahin, der Sieger aus den Schlachten um Schippdorf und Kerant!" Der Mann in glänzender Plattenrüstung antwortete würdevoll: "Ja, der bin ich wohl. Wir besiegten die Orks damals scharenweise und am Ende flohen sie heulend und feige! Wir werden die Grünlinge nicht fürchten!" Jarik nickte respektvoll und sprach: "Begleitet mich nun zu König Sef, edler Edrahin!"
Von einem Fenster des Thronsaals konnte König Sef sehen, wie sich zwei Gestalten in das Burginnere bewegten. Er glaubte Jarik und den großen Hauptmann Edrahin zu sehen. Würdevoll schritt König Sef wieder zu seinem Thron zurück und setzte sich schnaubend. Über dem Thron hing Sefs gewaltiges Schwert Grollbringer und sein mächtiger Schild Schwertfurcht. Sef schaute zu den Artefakten empor. Er wußte, dass er sie bald wieder brauchen würde, um sein Heim und die Westlichen Reiche zu verteidigen, gegen das große Übel, welches da kam. Plötzlich pochte es an der Tür. "Herein!", sagte Sef und erwartete Jarik und Edrahin. Doch es kam ein Fremder durch die Tür, eindeutig ein Nordmann. Dieser schritt bestimmt zu Sefs Thron, ließ sich auf die Knie nieder und begann: "Dies ist eine Botschaft, verfasst von meinem Herrn, König Erikson! Mein Herr spricht von größter Wichtigkeit!" Sef winkte den Boten heran und nahm ihm die versiegelte Pergamentrolle aus der Hand. Er rollte sie auf und begann zu lesen. Als Sef geendet hatte, sagte er: "Was denn noch, was geschieht in dieser verrückten Zeit denn noch. Mein Hauptmann geht auf Dämonenjagd, der alte Feind regt sich wieder und alles geht in die Brüche. Ich hätte Dekar lieber hier gehabt, als anderswo, doch habe ich großes Vertrauen in diesen tapferen Recken und bin sicher, dass er wiederkehren wird!" Der Nordmann entgegnete: "Ich werde nun zu meinem König Erikson zurückkehren und bitte um Proviant!" König Sef nickte milde und schickte den Boten fort. Sef legte das Kinn auf seine Brust und brummte in seinen Bart: "Hoffen wir, dass alles gut endet."

Die drei Gefährten ritten nun schon seit zwei Tagen, als sie auf einmal eine Veränderung in der Landschaft bemerkten. Die Ebenen waren nicht mehr voll mit kurzem Gras und stacheligen Sträuchern. Es erhoben sich blühende wunderschöne Bäume in die Luft, süßlich duftende Blumen blühten und schillerten in der Umgebung, während fremde Vögel ihre Lieder sangen. Auch die drei Gefährten änderten ihr Verhalten. Sie waren ruhiger und empfanden nicht mehr ganz so viel versteckte Furcht wegen ihrer gefahrvollen Aufgabe. Außerdem redeten sie kaum, selbst Harek, der sie sonst zudichtete mit seinen Erlebnissen als Späher und seinen Kenntnissen hielt nun inne und betrachtete die Hügel mit ihren sanft im Wind wehenden Bäumen. Dekar war es, der die ersten Worte seit Stunden sprach: "Wir betreten Elfenland. Merkt ihr die Veränderung in Körper und Geist!" Torwyn nickte nur, während Harek seinen Blick nicht von dem beeindruckenden Panorama ziehen konnte. Die Pferde trugen sie über das saftige grüne Gras, welches sich bis zum Horizont erstreckte. Plötzlich entdeckte Dekar einen kleinen Forst zu seiner linken. "Wir machen dort vorne Rast!", sagte er befehlend. Torwyn brummte und entgegnete: "Seid Ihr Euch sicher, dass es klug ist, auf freier Fläche zu übernachten?" Es war Harek, nicht Dekar, der antwortete: "Seid Euch sicher, in diesen Landen wird uns nichts geschehen!" Dekar nickte und lenkte sein Pferd in Richtung des kleinen Wäldchens und stieg dort vom Sattel. Goldfunke trabte zielstrebig zu einem kleinen plätschernden Bach um seinen Durst zu stillen. Auch Dekar und seine beiden Kameraden schöpften mit den Händen Wasser aus dem Bach und bedeckten Gesicht und Hals mit dem kühlen Nass. Außerdem füllten sie ihre Schläuche neu auf. "Ich werde nun kurz die Augen schließen", sprach Dekar und lehnte sich mit dem Rücken an eine duftende Fichte. Dicke Insekten brummten schimpfend um seinen Kopf, als er in einen tiefen, erholsamen Schlaf fiel. Seine Gefährten taten es ihm gleich, denn sie fürchteten kein Unheil.
Dekar wachte auf, mit einem kitzelnden Gefühl an seiner Stirn. Als er die Augen öffnete, erschrak er. Vor ihm stand ein Elfenkrieger, gekleidet in ein makelloses, silbernes Kettenhemd und einen strahlend weißen Umhang. In Händen hielt er einen elfenbeinernen Bogen, der Pfeil berührte sachte Dekars Stirn, zweifellos für das kitzelnde Gefühl verantwortlich! Seine Gefährten erwachten nun ebenfalls und wagten nicht, sich zu rühren, wegen der Bögen, welche auf sie gerichtet waren. "Elfenpack", knurrte Dekar böse, seine Hand wanderte zum Schwertgriff. Der Elf vor ihm folgte jeder Bewegung mit seinem Bogen. Dekar fuhr fort: "Ihr feigen Ratten. Anstatt euch einem ehrenvollen Kampf zu stellen, überfallt ihr uns im Schlaf. Dabei reisen wir freundlicher Absicht durch eure Lande!" Der blonde, langhaarige Elfenkrieger sprach in seiner hohen Stimme: "Schweigt nun, oder sterbt auf der Stelle!" "Haltet ein Eldred", tönte plötzlich eine zweite Stimme. Dekar schaute an dem Krieger namens Eldred vorbei und sah einen großen Mann auf einem Pegasus. Dekar hatte nie zuvor ein solches geflügeltes Pferd gesehen, doch seine Schönheit und Anmutigkeit brachte ihn beinahe um den Verstand. Eldred nahm den Pfeil von der Sehne und bedeutete seinen Kameraden es ihm gleichzutun. "Wie ihr befehlt, Mylord!", sprach der Elf und trat zurück. "Lasst mich mit den Eindringlingen sprechen!", sagte der Elf auf dem Pegasus und schwang sich elegant aus dem Sattel. Mit unendlicher Würde schritt er auf Dekar zu und begann: "Mein Name ist Lord Derion Wer seid ihr, und was tut ihr in meinem Forst?" Dekar antwortete: "Ich bin Dekar, Sohn des Arek. Ich diene unter König Sef. Der Nordmann ist Torwyn, Sohn des Togar, er gehört zum Gefolge des sterbenden Erikson. Der Bogenschütze ist Harek, Sohn des Karman. Er ist ein Gelehrter und mutiger Abenteurer! Wir wollten nur Rast in Eurem einladenden Forst machen und dann unsere Reise fortsetzen!" Derion nickte langsam und wollte etwas sagen, wurde aber von einem Schrei unterbrochen. Dann folgten laute Flüche und vereinzelte Angstschreie. Dekar schaute sich um und sah Makim, Hareks Wolf, wie er mit gebleckten Zähnen auf der Brust eines Elfenkriegers saß. Dekar grinste und sprach: "Und nun lasst uns frei. Der Wolf hat lange nichts mehr gefressen und er hungert sicher fürchterlich." Wie auf ein geheimes Kommando senkte Makim den Kopf, schnupperte am Gesicht des Elfen und schleckte über seinen Hals. Der Mann begann zu lachen. Derion und die anderen Elfen ebenso. Der Lord der Spitzohren sagte amüsiert: "Ein Tier des Waldes würde niemals Elfen angreifen, dass müsstet Ihr wissen, Dekar." Der Angesprochene funkelte Harek an, welcher mitleidig mit den Schultern zuckte. Dekar sprach: "Es ist nicht meine Art zu betteln, doch ich bitte Euch nun um etwas, Lord Derion! Wir müssen unsere Reise fortsetzen, sie ist von unvorstellbarer Wichtigkeit." Lord Derion entgegnete: "Es gibt im Leben eines Unsterblichen nichts Unvorstellbares. Erzählt es mir!" Dekar schaute zu seinen Kameraden hinüber, die beide nickten. Allerdings wusste der Hauptmann, dass er den edlen Elfen vollends vertrauen konnte! "Wenn es für euch Elfen nichts Unvorstellbares gibt", begann er, "dann kennt ihr sicher den Dämonenprinzen Charkta!" Nach Erwähnung des Namens begannen die umstehenden Elfenkrieger zu murren und untereinander zu tuscheln. Derion schaute in den endlos blauen Himmel und sprach: "Charkta ist alt und böse. Wir Elfen kennen ihn. Er und sein Meister verdarben vor Äonen unsere Brüder, die ihr als Dunkelelfen kennt." Dekar sah den Elfenlord fragend an und sprach verwirrt: "Er und sein Meister? Charkta ist nicht die eigentliche Ursache allen Unheils!" Derion lachte bitter und antwortete traurig: "Wenn alles so leicht wäre. Sein Meister ist der Fürst der Dunkelheit, der, dessen Namen Unheil und Leid bedeutet, der, dessen Namen ich hier nicht nennen darf! Doch ich will es tun, um euch dreien bewußt zu machen, dass das Böse in ihm sehr stark ist. Sein Name ist Morgur der Vernichter!" Die Elfenkrieger hoben ihre Fäuste und reckten sie in die Luft, laute Schwüre und Flüche in ihrer Sprache ausstoßend. Dekar spürte, wie es ihm bei Nennung des Namens kalt den Rücken herablief und wie sich sein Magen flau anfühlte, sich gar verkrampfte. Er bemerkte, dass es seinen Gefährten ebenso erging. Torwyn fluchte: "Donnerwetter. Mir ist es ganz anders, ich spüre eine böse Aura, ungreifbar und doch ganz dicht und unheilvoll!" Harek blickte ängstlich auf den Boden, während sein Wolf den Schwanz einklemmte und leise winselte. Derion sprach: "Da seht Ihr es Dekar. Seine Macht ist entsetzlich und allein sein Name reicht um Verzweiflung, Angst und Zweifel zu säen!" Dekar fuhr fort: "Dies ist zweifellos gut zu wissen, doch nun zurück zum eigentlichen Thema. Um es kurz zu machen. Unsere Aufgabe ist es, Charkta zu besiegen!" Derion nickte wieder: "Dies ist wirklich eine gefährliche Aufgabe, doch wir können Euch nicht dabei unterstützen. Den Elfen ist ein anderes Schicksal zugedacht. Euch und Euren Freunden zu helfen, hieße unseren Untergang besiegeln. Mit den Informationen, die ich Euch gab, näherte ich mich schon den Grenzen des Erlaubten!" "Dann lasst uns nun gehen", bat Dekar freundlich und stand endlich auf, sowie Torwyn und Harek. Derion sprach feierlich: "Ich erlaube euch dreien durch das Reich der Elfen zu reisen, in Richtung der Gläsernen Stadt. Doch seht euch vor, Charkta hat eine Leibwache, bestehend aus den vier besten Kriegern der Dunkelelfen. Es wird ein Kampf, der seinesgleichen suchen wird und in allen Liedern des kommenden Zeitalters besungen wird." Die drei Gefährten verließen den Kreis der Elfen und gingen zu ihren Pferden. Torwyn schwang seinen Hammer und sagte tapfer: "Das klingt nach einem gewaltigen Kampf, doch die Dunkelelfen sollen ruhig kommen. Mein Hammer wartet schon!" Dekar lächelte und schwang sich in den Sattel. "Protzt nicht mit Worten Nordmann, tut es mit Taten!", grölte er und gab seinem Pferd die Sporen. "Das nehme ich Euch übel, Dekar!", rief er und ritt hinterher. Das Schlusswort hatte schließlich Harek, welcher rief: "Ihr solltet besser eure Kräfte sparen. Hinter diesen Bergen lauert ein großes Übel!" Die donnernden Hufe ihrer Pferde trugen sie schließlich dem Sonnenuntergang entgegen.

Blutbesudelt taumelte der letzte überlebende Späher über den makellos sauberen Boden des Thronsaals auf König Sef zu. Das Blut des Mannes tropfte in einem regelmäßigen Tappen auf den Grund, als er vor dem König auf die Knie fiel. Sef betrachtete seinen Untertanen genau. Der mutige Späher hatte jeden Pfeil aus seinem Köcher verschossen, sein Breitschwert war grün von Orkblut. Der König bemerkte, wie der Mann gequält nach Atem rang. Darum hob er die Hand und sprach milde: "Berichtet, doch übernehmt Euch nicht!" Der Späher schnappte noch einmal tief nach Luft und begann: "Zwei gewaltige Orkheere sind wie erwartet auf dem Weg hierher. Es sind etwa zweitausend Grünlinge, etwa zwei bis drei Meilen entfernt und sie marschieren wahrlich schnellen Schrittes. Die Orks sind vom Stamm der Eisenhäute und des Schwarzen Pfeils. Es ist eine mächtige Allianz!" Sef fuhr mit einer Hand durch seinen Bart und sagte: "In Nordstern befinden sich momentan eintausend Krieger, fünfhundert sind auf dem Weg hierher. Selbst wenn diese noch rechtzeitig eintreffen, sind wir immer noch zahlenmäßig unterlegen!" Jarik trat vor und sprach: "Wir sind den grünen Bastarden zahlenmäßig unterlegen, aber überlegen sind wir ihnen, was Mut und Ehre angeht. Auf jeden unserer tapferen Recken kommen fünf der ihren." Sef lachte und sagte: "Jarik, Ihr wisst, wie man einen alten Mann aufmuntert. Allerdings hoffe ich, dass die Verteidiger gut von Euch vorbereitet worden sind. Mut und Ehre mögen viel wert sein, doch sie alleine werden uns nicht schützen!" Jarik nickte und entgegnete: "Alle sind bereit, Tybald instruiert gerade unsere Musketenschützen, während König Martins Pikeniere bereits kampfhungrig im Innenhof lauern." Sef nickte und wandte sich an seinen Knappen. Er befahl: "Bringt mir meine persönliche Rüstung!" Danach drehte er sich um und nahm Grollbringer und Schwertfurcht von der Wand. Die Berater begannen zu tuscheln und zu flüstern, als König Sef sie mit einer wütenden Geste zum Schweigen brachte. Er polterte los: "Ich werde an der Seite meiner tapferen Mannen kämpfen, egal was ihr davon haltet. Dies ist meine Burg und ich werde sie verteidigen."
Wenige Minuten später tauchte Sefs Knappe auf, begleitet von einigen Dienern, sie trugen seine edle Rüstung. Und das war sie, das beste Rüstungsstück in den Rüstkammern der Feste Nordstern. Sie war aus Zwergenmetall geschmiedet, über und über mit Gold und Silber verziert und außerdem gesegnet, von hundert Priestern. Im Dämmerlicht des Saals funkelte sie unheimlich. "Eure Rüstung mein König!", sprach der Knappe und deutete auf das kostbare Stück. Sef erhob sich vom Thron und sprach: "Legt sie mir an!" Der Knappe nickte.

"Ich friere!", murrte Torwyn missmutig, als sie sich dem Elfengebirge näherten und der Wind kalt und eisig wurde. Dekar lachte auf und sagte: "Da seht ihr es, Bärenfett ist doch nicht das Wahre. Nehmt meinen Umhang." Mit diesen Worten streifte der Hauptmann seinen Umhang ab und warf ihn Torwyn zu, welcher ihn auffing und sich darin einwickelte. Harek hatte ebenfalls sichtliche Qual, er war von den Gefährten der Kleinste und Dünnste. Verzweifelt saß er auf seinem Ross und versuchte tapfer zu wirken. Dekar bemerkte das Elend und rief über das Fauchen des Sturms: "Wir werden uns gleich einen Unterschlupf suchen und rasten. Dieses Wetter ist wirklich nicht gut für uns. Wir können Charkta nicht mit Erfrierungen entgegentreten! Haltet also Ausschau nach einer Höhle oder einem Felsvorsprung." Mühsam ritten sie weiter, als plötzlich Makim auf sie zu sprang, bellte und mit dem Schweif wedelte. Harek beobachtete seinen Wolfsfreund ganz genau und sagte hoffnungsvoll: "Wir sollten ihm folgen!" Dekar nickte und gab Handzeichen, doch Torwyn rief wütend: "Wir sollen diesem Köter folgen? Niemals. Ein Nordmann folgt seinem Herzen, nichts anderem." Dekar wandte sich zornig im Sattel um und sprach laut und befehlend: "Vielleicht sollte er mehr auf seinen Verstand hören, sofern er einen besitzt, woran ich soeben Zweifel hege!" Torwyn beließ es bei einem Grummeln und schloss zu seinen Kameraden auf.
Sie folgten dem Wolf wenige Minuten, als sich vor ihnen der Schlund einer Höhle auftat. "Hinein", rief Dekar und trat in das unheilvolle Dunkel. Seine wackeren Gefährten folgten ihm mit gezogenen Waffen. Die Pferde tänzelten nervös, folgten nur widerwillig. "Ich werde bei dieser Dunkelheit keinen Orkhäuptling auf drei Fuss Entfernung treffen!", knurrte Harek und zog ein langes, verziertes Messer aus seinem Stiefel. "Ich rieche ein Abenteuer!", sprach Torwyn mit einer beunruhigenden Vorfreude in seiner Stimme, "Los, erkunden wir das Dunkel!" Der Nordmann nahm seinen Hammer fest in beide Hände und ging los, Dekar und Harek folgten. Plötzlich schwand die Düsternis, sie wich einem schwummerigen bläulichen Licht. "Was ist das?", fragte Dekar und bemerkte die Gravuren in der Felswand. Er fuhr fort: "Harek, könnt Ihr das entziffern?". Der Gelehrte trat vor und kniff die Augen zusammen, während er seinen Blick über die Malereien schweifen ließ. Er begann: "Es ist eine Abwandlung der Elfensprache, gleichzusetzen mit einem Dialekt, aber ich bin nicht sicher." Er starrte weiter auf die Zeichen und schrak mit einem Schrei zurück. Er sagte zitternd: "Jetzt weiß ich, was die Zeichen bedeuten. Wir sind in einem Lager der Dunkelelfen gelandet. Das ist die Sprache der Dunkelelfen!" Torwyn hielt plötzlich ohne Vorwarnung an horchte. Er sprach: "Leiser, oder wollt ihr dem Feind verraten, dass wir da sind!" Doch es war bereits zu spät. Kampfgesänge tönten den abwärts führenden Gang hinauf, Schritte halten von den Wänden wider. Torwyn fuhr säuerlich fort: "Ja, folgt einmal einem Wolf!" Makim schritt leise hinter den Gefährten her und knurrte beleidigt. Dekar schrie, schließlich war es nun egal: "Aufstellung nehmen und warten. Flucht hat nun keinen Sinn mehr!" Die drei Gefährten stellten sich nebeneinander und bemerkten plötzlich den Schein von Fackeln im Stollen. Dann kamen die Dunkelelfen in Sicht. Ihre Augen funkelten bösartig im dämmerigen, blauen Licht, ihre Rüstungen zeigten Silhouetten von Stacheln und Klingen. Glücklicherweise waren keine Bogenschützen bei ihnen, doch es waren mindestens zwei Dutzend Krieger. Sie zu bekämpften würde schwer werden. Harek nahm nun doch wieder seinen Bogen und legte gleich zwei präparierte Pfeile, denen die seitlichen Federn fehlten, auf die Sehne. Er zielte genau und schickte die Geschosse auf ihre Reise. Zwei kreischende Dunkelelfen brachen zusammen, die gefiederten Schäfte der Pfeile mit den Händen umklammernd. Torwyn brüllte: "Für Erikson!" Mit diesen Worten stürmte er vorwärts, seinen Hammer schwingend. "Sef lebe hoch!", schrie Dekar und ließ sein Schwert zischend durch die abgestandene Luft der Höhle schnellen. Dann stürmte auch er vor. Im Laufen spürte er einen scharfen Luftzug an seinem Kopf vorüberziehen, Bruchteile von Sekunden später ging ein Dunkelelf zu Boden, den Pfeil im Hals steckend. Nun hatte Dekar seine Feinde erreicht und hob sein Schwert, als sich ihm der erste Dunkelelf entgegenstellte. Die gezackte Klinge prallte klirrend auf seine edle Waffe. Dekar machte einen Schritt zurück und schwang seine Klinge in Höhe des Bauches, der schlanke und flinke Opponent drehte sich jedoch weg und schlug aus der Drehung zu. Dekar parierte den Hieb einhändig und sehr knapp, schlug aber gleichzeitig mit der Faust zu und traf den Feind am Helm. Der Dunkelelf taumelte, weniger wegen des Schmerzes, mehr wegen des Schreckens. Nun setzte der Hauptmann nach und ließ das Schwert vorstoßen. Der böse Elf versuchte noch den Hieb abzuwehren, war aber zu langsam. Dekars Schwert rutschte über die Klinge des Feindes, schlitzte seinen Arm vom Handgelenk bis zum Oberarm auf und stieß in seine Brust. Wie ein gefällter Baum stürzte der Gegner um und knallte auf den Boden. Hellrotes Blut sammelte sich zu Dekars Füßen. Dieser hatte keine Zeit, sich über diesen Triumph zu freuen, tauchte aus dem Nichts eine andere Klinge heran. Dekar warf sich noch zur Seite, konnte aber nicht verhindern, dass die Waffe seinen Helm streifte und seinen Kopf darin zum Klingeln brachte. Bunte Flecken waberten durch Dekars Blick, als er spürte wie im Blut in die Augen lief und er auf den kalten Steinboden schlug. Er hörte nur noch ein siegessicheres Kreischen. Dekar schloss schicksalsergeben die Augen und erwartete den tödlichen Streich. Plötzlich vernahm er das Surren einer Bogensehne und ein grausiges Zischen. Aus dem Schrei des Feindes wurde ein morbides Röcheln. Schnell wischte sich Dekar das Blut aus den Augen und schüttelte den Kopf, um ihn wieder halbwegs klar zu bekommen. Er sah wie der Dunkelelf etwas aus seiner Seite zog, ein Pfeil Hareks, ohne jeden Zweifel. Dekar nutzte den Moment gnadenlos aus, erhob sich wankend und enthauptete den abgelenkten Kontrahenten. Jetzt war es an der Zeit aufmerksamer zu sein, beschloss der Hauptmann und sah wie ein weiterer finsterer Kämpfer auf ihn zu stürmte. Dekar griff an seinen Gürtel und zog den Dolch. Blitzschnell stieß die Hand des Recken vor und entließ die Waffe. Wirbelnd sauste die blitzende Klinge auf den Elfen zu und traf ihn genau links neben dem Nasensteg des Helms im Auge. Ohne ein Geräusch kippte der Feind nach hinten und stieß gegen die Wand, an welcher er leblos herabsank. Dekar blickte sich gehetzt um und suchte Torwyn. Er erblickte den Nordmann im Duell gegen den Anführer der Dunkelelfen. Der feindliche Adlige hob sein Zweihandschwert und ließ es auf Torwyn niedersausen, welcher blitzschnell wegsprang. Die Klinge krachte mit einem ohrenbetäubenden Knall auf dem Boden, Funken stoben auf. Nun kam Torwyns Gegenschlag und dieser fiel heftig aus. Der Nordmann hob seinen Hammer und schwang ihn mit beiden Händen gegen die Schulter des Dunkelelfen. Der Gegner wurde nach hinten geschleudert und schmetterte mit gebrochener Schulter gegen die Wand. Dekars Aufmerksamkeit wurde wieder auf das eigentliche Geschehen gerichtet, als ein weiterer zischender Krieger auf ihn zu kam. Dekar brüllte laut und hob sein Schwert mit beiden Händen über die Schulter. Ein beherzter Sprung brachte ihn schneller vor die Füße des Feindes, als dieser es erwartet hatte. Dekar ließ nun sein Schwert nach unten rasen und trennte den linken Arm des Opponenten vom Körper. Ein Blutstrom schoss aus dem blutigen Stummel. Fassungslos starrte der Dunkelelf auf die Verletzung und wurde von Hareks Bogen ins Herz getroffen. Plötzlich erhoben die überlebenden Dunkelelfen ihre Stimmen in einem lauten Wehklagen. Dekar wunderte sich und schaute zu Torwyn. Dieser stand mit geschwellter Brust da, ein Stiefel auf der Brust des getöteten Anführers. Heulend und verzweifelt flohen die Überlebenden zurück in die Höhlen. Zwei von ihnen wurden noch von dem flinken und geistesgegenwärtigen Harek niedergestreckt. Dekar wusste, dass der Kampf gewonnen war und sank auf die Knie. Nach Luft schnappend sagte er: "Das war großartig. Ihr habt tapfer gekämpft. Und Harek, danke, Ihr habt mir zweifellos das Leben gerettet!" Harek und Torwyn kamen zu ihrem Kameraden und halfen ihm auf die Füße. "Ihr habt eine unschöne Wunde am Kopf, Dekar!", murrte der Nordmann und schnitt ein Stück Stoff aus Dekars Umhang. Schnell fertigte er einen provisorischen Verband und wickelte ihn um den Kopf seines Gefährten. "Nicht perfekt, wird aber halten!", sprach Torwyn und nickte. Dekar lächelte und sprach mit zitternder Stimme: "Lasst uns die Höhle erkunden, die Dunkelelfen kommen nicht wieder, da bin ich mir sehr sicher!" Harek und der große Nordmann nickten grimmig und gingen los, Makim sprang hinter ihnen her, die Nase witternd in der Luft haltend.

Jarik stand auf der Wehrmauer der Feste Nordstern in einer Reihe Bogenschützen, welche bereit zur Schlacht waren und auf das Orkheer starrten, welches sich vor den Toren gesammelt hatte. Neben Jarik stand Tybald, welcher sein Schwert polierte. Er schenkte den Orks kaum Aufmerksamkeit. Er konzentrierte sich auf die bevorstehende Schlacht, wie es für einen Jäger von Sturmfels üblich war. König Sef stand vor dem Eingangstor des Palastes. Er trug seine eigene Rüstung und seine eigenen Waffen. Jarik vermittelte er den Eindruck eines Gottes, auferstanden aus einer uralten Sage. Begleitet wurde der König von seinen Leibgardisten und Jarik beschloss, gleich seinen Platz an der Seite seiner Kameraden einzunehmen, schließlich war auch er Gardist des Königs. Doch zuvor versicherte er sich, dass alle auf den Mauern bereit waren und wandte sich an Tybald. Er fragte: "Sind alle Bogenschützen und Musketenschützen instruiert?" Tybald nickte und sagte: "Ja, nur die Armbrustschützen aus dem Lager von König Jules noch nicht, sie kamen vor wenigen Stunden erst an. Ich hatte keine Zeit mehr!" Jarik nickte und sprach: "Dann bleibe ich noch hier und warte, bis ich mir sicher sein kann, dass alles glattgeht. Plötzlich wurde die Orkhorde unruhig und die Grünhäute begannen mit den Waffen gegen ihre Schilde zu schlagen. Die Verteidiger begannen die Siegeshymne der Westlichen Reiche zu singen, der Klang des Liedes schmetterte aus den Kehlen von über tausend Männern. Mit einem kollektiven Kriegsschrei begannen die Orks ihren Angriff. "Feuer!", brüllte Tybald, woraufhin die Bogenschütze ihre Sehnen surren ließen. Die erste Front der Orks sank zu Boden, die nachkommenden Grünlinge stolperten über die Leichen ihrer Kameraden, ließen sich dadurch aber nicht im Geringsten aufhalten. Ein Krachen deutete daraufhin, dass nun auch die Musketenschützen ihr Kommando erhalten hatten. Rauch stieg von ihrer Stellung auf, Orks fielen durchlöchert zu Boden, welcher sich bereits grün färbte. Doch dann waren die Feinde an den Mauern und begannen damit, Sturmleitern anzubringen. "Stoßt die Leitern um!", befahl Jarik mit sich überschlagender Stimme. Direkt waren Soldaten heran und stießen die Leitern nach hinten. Heulende Orks fielen nach unten und fanden den Tod. Allerdings war es Sefs Untertanen unmöglich alle Leitern unschädlich zu machen, somit kamen einige Orks über die Mauer. Jarik kletterte in den Innenhof und nahm neben König Sef Aufstellung. Jetzt würde das wahre Gemetzel beginnen. Ein Poltern am Tor bestätigte Jariks Verdacht. Die Orks hatten also einen Rammbock dabei, so wie es jeder erwartet hatte. Jarik konnte sehen, wie die Verteidiger auf den Mauern gewaltige Bottiche mit siedendem Öl auf die Orkhorde kippten, er konnte hören, wie die erbärmlichen Grünhäute verbrannten und aufheulten. Doch plötzlich gab es ein erneutes Krachen. König Martins Pikeniere drehten sich in Richtung des Tores, welches nun einen beunruhigenden Riss hatte. Die Soldaten in der ersten Reihe senkten tapfer ihre Waffen und erwarteten die kommende Attacke. Mit einem Poltern sprang das zertrümmerte Tor auf, den Verteidigern war es also nicht geglückt, den Rammbock zu vernichten. Doch das war nun nicht wichtig. Wichtig war nur, dass die Orks aufgehalten würden. Die heulenden und schreienden Grünhäute stürmten wie von Sinnen auf die Pikeniere zu, während sie ihre Säbel und Krummschwerter durch die Luft schwangen. Die ersten Reihen der Orks erreichten die Pikeniere und wurden von der nachrückenden Horde einfach in die lauernden Waffen gedrückt. Mehr als hundert Orks fanden so den Tod. "Sie halten sich wahrlich tapfer!", brüllte Jarik über das Tosen der Schlacht. König Sef nickte und befahl: "Die Orks brechen an der Westmauer durch. Wir werden dort die Verteidiger unterstützen!" Jarik nickte stürmte hinter Sef und den anderen Gardisten her. Wenige Augenblicke später befanden sie sich inmitten rasender Grünhäute. Jarik stellte sich einem Ork und schlug ihn mit seiner Helebarde beinahe in zwei Teile. Mit einem feuchten Schmatzen zog er seine Waffe aus dem Kadaver des Grünlings und sah König Sef, wie er gegen den massigen Orkhäuptling kämpfte. Der Anführer der Grünlinge maß an die zwei Meter und war mindestens genauso breit. Seine Arme waren zwei muskelbepackte Keulen, welche eine Axt hielten. König Sef kämpfte wirklich meisterhaft, wie es sich für den größten Krieger der Westlichen Reiche geziemte. Jarik lenkte seine Aufmerksamkeit wieder dem zu, was vor ihm geschah, das war für ihn wichtiger. Ein weiterer Ork sprang auf ihn zu uns schlug den hölzernen Schaft seiner Waffe in zwei Teile. Jarik schaute entsetzt auf die beiden Teile und wurde im letzten Moment von Hauptmann Edrahin persönlich gerettet, welcher dem Grünling von hinten das Langschwert in den Leib rammte. Jarik zog seinen Dolch und sah sich nach einer brauchbaren Waffe um. Schließlich erspähte er einen toten Armbrustschützen, im Tode noch die Hände um die Wunde krallend, die ihm den Tod gebracht hatte. Jarik hob die Armbrust auf und hängte sich den Köcher mit den Bolzen um die Hüfte. Mit gehetzten Blicken suchte er sich ein Ziel und erblickte einen Ork, wie er gerade von einer Sturmleiter über die Mauerbrüstung klettern wollte. Jarik legte einen Bolzen ein, zielte genau und zog den Abzug der Waffe. Das Geschoss traf nicht wie vorgesehen den Kopf des Grünlings, sondern seine Schulter, doch dies sollte genügen, ihn mitsamt mehrerer Spießgesellen in die Tiefe zu schicken. Jarik legte einen weiteren Bolzen ein und suchte sich eine bessere Position. Während dieser Suche traf er auf Tybald. Dieser hatte sich mit einigen Schwertkämpfern in einer Wachstube verschanzt. Die Schwertkämpfer verteidigten ihre Stellung verbissen mit gefundenen Bögen und Armbrüsten, einer hatte sogar eine Muskete aufgelesen. Tybald fragte: "Wie sieht es für uns aus. Ich muss zu meiner Schande gestehen, den Überblick verloren zu haben." Jarik musste lachen und antwortete: "Den habe ich auch nicht mehr, aber ich denke wir halten uns tapfer! Merkt Ihr nicht, dass die Wellen der Orks abflauen und bereits weniger in den Hof strömen!" Tybald nickte. "Ich suche nun den König", schrie Jarik über den Lärm. "Ich begleite Euch!", entgegnete der Jäger von Sturmfels. Der Gardist nickte grimmig und stieß die Tür auf. Draußen war das Massaker in vollem Gange. Überall sah mal vereinzelte Gestalten gegeneinander kämpfen. Die einzigen Geräusche die noch zu hören waren, war das Scheppern von Metall auf Metall, die Kampfrufe der Krieger und die Schreie der Verwundeten. "Könnt Ihr den König sehen Tybald?", fragte Jarik schreiend, weil er ihn selber nicht erblickte. Tybald schrie über den Kampflärm: "Ich sehe ihn. Er scheint sich mit dem Orkhäuptling über den ganzen Innenhof zu duellieren!" Jarik beobachtete den König und sah, dass ein kleiner Blutstrom unter dem Helm hervorquoll und, dass die Rüstung an mehreren Stellen eingedellt und zerkratzt war. Doch auch der Orkhäuptling sah nicht besser aus. Er blutete aus etlichen Schnittwunden und Kratzern, doch das schien die Bestie nicht zu stören, vielmehr schien es sie noch wütender zu machen. Sef kämpfte immer noch erhaben, keine Müdigkeit zeigend. Sein Schwert bohrte sich plötzlich tief in die Seite des Orkhäuptlings, als dieser einem anderen Ork ausweichen musste, der von der Wehrmauer gefallen war. Alle Verteidiger, die dies sahen, jubelten und grölten, doch die Freude verstummte, als die verdorbene Kreatur ein Messer zog und es König Sef in den Bauch rammte. Das Johlen wurde zu einem zornigen Aufschrei. Blitzschnell waren auch schon die Thronwächter da und hackten den sterbenden Orkhäuptling in Stücke. Jarik fiel auf die Knie. König Sef war tödlich verwundet. "Seht Jarik, die Grünhäute ziehen sich zurück!", rief Tybald. Jarik schüttelte den Kopf und jammerte: " Was macht das noch für einen Sinn?"

Die drei Gefährten wanderten nun schon seit einer Ewigkeit durch das blaue Zwielicht des Stollens. Sie konnten nicht sagen, wie lange genau. Es hätten Wochen sein können, sie hätten es nicht gemerkt. Ihr Zeitgefühl hatten sie nach den ersten Schritten verloren, oder waren es die tausendsten Schritte. Sie wußten es nicht. Niemand sprach ein Wort. Dekar schritt an der Spitze, sich immer wieder an der Wand abstützend. Im Hintergrund hörte er das Tappen der Pferde, welche von Harek durch das Dunkel geführt wurden. Er konnte öfters spüren, wie sich etwas vielbeiniges und haariges unter seinem Griff davonmachte. Doch es war ihm egal. Seine Kopfschmerzen lenkten ihn von allen anderen Eindrücken ab. Plötzlich sah er ein Licht. Er schrak auf, seine Gefährten hatten es ebenfalls gemerkt. Torwyn brüllte entzückt: "Tageslicht, beim Barte meines Vaters, endlich Tageslicht." Harek stieß einen Freudenschrei aus und sprintete auf den Ausgang zu, Makim winselnd und kläffend hinter ihm. Taumelnd traten die Gefährten ins Freie, ihre vom Licht überreizten Augen mit den Händen verdeckend. Dekar fiel auf die Knie und stieß seine Hände auf den Boden. Er fühlte Schnee. Blinzelnd öffnete er die Augen wieder und schaute sich um. Vor ihm lag die Gläserne Stadt. "Wir sind da!", sprach Dekar, an seine Kameraden gewandt. Torwyn lachte und sprach: "Nun müssen wir nur noch die vier starken Dunkelelfen besiegen und dann marschieren wir durch zu Charktas Zitadelle." Dekar nickte und machte ein Handzeichen. Nun würden sie die berüchtigte Gläserne Stadt erkunden.
Die Gefährten streiften fast eine Stunde durch die glitzernden Ruinen aus Glas, konnten jedoch keine Dunkelelfen finden. Das einzige was sie vorfanden waren Ruinen und Alltagsgegenstände, jedoch alle aus Glas. "Harek, könnt Ihr uns erklären, was das hier zu bedeuten hat?", wandte sich Dekar an den Angesprochenen. Harek begann: "Die Gläserne Stadt war einst eine blühende Hafenstadt und wurde von einem Nekromanten verwüstet. Dieser Nekromant wurde allerdings vom Hauptmann der Stadtgarde im Schlaf erdolcht. Mit seinem letzten Atemzug verfluchte der Nekromant die gesamte Stadt und ließ sie zu Glas werden. Über Charkta ist wenig bekannt. Gewiss ist, das er ein Dämon ist. Entweder ist er ein Geschöpf des Schwarzmagiers oder es ist sogar sein Geist. Doch was interessiert uns das!" Die Gefährten marschierten weiter zum Marktplatz und sahen drei gläserne Gestalten. Es waren ganz klar Dunkelelfen. Dekar kratzte sich am Kopf und sprach: "Seltsam. Scheint als hätte Charkta seine eigenen Gardisten verflucht. Was auch immer ihm das gebracht haben soll, mir gefällt es nicht. Und warum sind es nur drei!" Torwyn trat vor und antwortete: "Das kann ich Euch sagen Dekar. Der in der Höhle war einer von ihnen, und den habe ich erschlagen!" Dekar nickte und befahl: "Schauen wir uns etwas um!" Plötzlich hörten die Gefährten eine glockenhelle Stimme an ihr Ohr dringen: "Was treibt drei so wackere Abenteurer an einen solch unwirtlichen Ort" Die drei Krieger wirbelten herum und sahen eine wunderschöne junge Frau, gekleidet in fast durchsichtige Seide mit schulterlangen güldenen Haaren. Harek und Torwyn gingen wie hypnotisiert auf die Dame zu. "Nicht!", brüllte Dekar wie von Sinnen, denn ebenselbige konnte ihm keiner trüben, "das ist Charkta!" Die Frau lachte, aus ihrem Mund schoss ein Strahl aus hellstem Licht und traf Harek in die Brust. Der Späher wurde vier Meter nach hinten geschleudert und prallte gegen eine Glaswand, an welcher er herabrutschte, eine blutige Spur auf dem Glas hinterlassend. Durch diese Tat wurde auch Torwyn bewußt, wie töricht er gehandelt hatte und warf sich in Deckung. Ein weiterer Strahl verfehlte ihn knapp und verdampfte zischend im Schnee. Dekar hob sein Schwert und stürmte auf Charkta zu. Dieser machte keine Anstalten den Hieb abzuwehren oder ihm auszuweichen. Dekar schlug zu und trennte dem Frauenkörper den Arm vom Leib. Kein Blut, sondern rotes Licht schien aus der Wunde. Plötzlich bekam das Schöne Antlitz der Frau Risse, bald war der ganze Körper über und über damit bedeckt. Der Körper der Frau zersprang in viele Scherben und Charkta zeigte sein wahres Gesicht. Es war ein grauenhaftes Geschöpf und Dekar blieb der Atem weg. Die Kreatur war an die zwei Meter groß, mit Pocken und eiternden Furunkeln übersät. Die Arme und Beine endeten ihn Klauen, der Rest des Körpers war von einer dämonischen, undurchdringlichen Schwärze. Dekar führte einen zweiten Hieb, Charkta parierte ihn mit der bloßen Klaue. Nun war auch Torwyn wieder klar im Kopf und eilte seinem Kampfgefährten zu Hilfe. Sein Hammer traf die Kreatur im Rücken und schmetterte sie genau in Dekars Schwert. "Ihr könnt mich nicht besiegen!", sprach der Dämon mit einer unwirklichen, sanften Stimme und stieß Dekar mit einem magischen Stoß von sich. Der Hauptmann flog drei Meter weit und landete im Schnee, sein Schwert setzte wenige Meter neben ihm auf. Torwyn erlitt dasselbe Schicksal, allerdings prallte er mit dem Kopf gegen eine Wand und blieb ohnmächtig liegen. Charkta drehte sich wieder zu Dekar und startete ein mentales Duell gegen jenen. Sieger war hier, wer es schaffte den Willen des Gegners zu brechen und ihn mit einem magischen Hieb zu töten. Dekar wurde von der Kraft der Attacke nach unten gedrückt, Charkta lachte spöttisch. Allerdings war der Hauptmann der Feste Nordstern nie schwachen Willens gewesen. Die beiden ungleichen Kontrahenten bekämpften sich weiterhin auf einer Ebene, die für niemand anders ersichtlich war. Dekar drückte die Zähne aufeinander, Blut trat in seinen Mund, als sein Kopf unter der Stärke des mentalen Abgriffs zu zerbersten schien. Der Hauptmann zischte gepresst: "Du wirst mich nicht besiegen Geschöpf der Dunkelheit!" Er lenkte all seine Konzentration auf den Kampf, die Umgebung schwand. Dekar nahm sein Umfeld nicht mehr wahr. Er konzentrierte sich nur noch auf Charkta. Taumelnd kam Dekar auf die Beine. Charkta lachte böse und sprach spöttisch: "Respekt, schwacher Mensch. Du bist stärker als alle anderen!" Plötzlich bildete sich eine Illusion in Dekars Kopf. Er sah die Stadt plötzlich in ihrem Urzustand, mit steinernen Häusern und umherlaufenden Bewohnern. Auch Charkta hatte sich verwandelt. Vor ihm stand nun nicht mehr der schwarze Dämon sondern ein bärtiger Zauberer in schwarzem Gewand. Das war es also, Charkta war der Geist des Nekromanten. "So ist das also!", sprach Dekar. Er wußte, dass er gesprochen hatte, doch er konnte seine eigene Stimme nicht hören. Allerdings hatte Charkta es gehört. Er sagte mit seiner dämonischen Stimme: "Du weißt es nun. Doch du wirst niemandem davon berichten, denn nun wirst du sterben." Dekar bemerkte, dass er sich noch immer in der Vision befand und merkte zugleich, dass es keine war. Es war ein Teil des mentalen Duells, denn nun hielt Dekar ein Schwert in der Hand, obgleich es nicht sein eigenes war. Der Nekromant hatte ebenfalls eines und stürmte auf den Hauptmann zu. Dekar brüllte einen stummen Schrei und schlug zu. Funkensprühend trafen die Klingen aufeinander, als Dekar und Charktas Urbild Hieb um Hieb austauschten. "Du scheinst mir ein mächtiger Recke zu sein Mensch!", zischte Charkta und schlug wieder zu. Dekar nickte grimmig und parierte den Streich. Nun schlug er selber zu, der Hieb traf Charktas Brust. Ein roter Streifen zog sich über den Oberkörper des Opponenten. Charkta brüllte vor Wut und ließ ein unbarmherziges Gewitter aus Schlägen auf den wackeren Dekar regnen, welcher immer mehr in die Defensive gedrängt wurde. Plötzlich spürte Dekar Stein in seinem Rücken. Er stand an einer Wand. "Nun stirbst du!", kreischte der Nekromant triumphierend und holte weit über den Kopf aus. Dekar lachte wild und stieß mit dem unwirklichen Schwert zu. Die Klinge drang bis zum Heft in Charktas Brust. Mit einem Knall zerbarst die Illusion und Dekar fand sich dort wieder, wo das Trugbild angefangen hatte. Der Dämon befand sich immer noch zehn Meter von ihm entfernt. Plötzlich schien sich die Schwärze in dem Wesen aufzulösen. Charkta brüllte wutentbrannt und verschwand fluchend und zischend im Nichts. Dekar fiel nach vorne und stürzte in den Schnee. Blut lief in Strömen aus seinem Mund, als er eine starke Hand auf dem Rücken spürte. Torwyns Stimme drang an sein Ohr: "Wir müssen uns um Harek kümmern, es sieht nicht sehr gut aus!" Dekar hörte wie durch Watte, doch er nickte. Taumelnd kam er auf die Beine und starrte in den blauen Himmel. Er erkannte wie sich mehrere Pegasi näherten, einer beritten.

Die Gefährten haben ein zweifellos großen und wichtigen Sieg errungen. Doch um welchen Preis. Harek wurde tödlich verwundet, König Sef liegt im Sterben. Die Dunkelheit ist aufgezogen und niemand weiß, welche Rolle Dekar und seinen Kameraden zugedacht ist. Der Kampf wird weitergehen.


Von Cool Ibo


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Teil 2: Die Heimkehr-->

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