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Paladin 2: Zyklus 2 - Renaissance
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Jede Erfahrung verändert uns. Vor uns liegen unendlich viele Pfade, aber wir können nur einen Weg wählen. Haben wir einmal einen Weg gewählt, so wird es für uns mit jedem Schritt schwerer, eine neue Richtung einzuschlagen. Das Schicksal, an das wir glauben, erfüllt sich durch unsere eigenen Handlungen, und scheint uns so uveränderlich wie die Vergangenheit selbst.

Aber wenn die Vergangenheit nicht statisch ist, dann besteht unsere Zukunft nur noch aus Möglichkeiten...

Kapitel 1 – Zweckehe

Bis dass der Tod uns scheidet...“

Bei Nacht hatte Rom einige Feinheiten, die einen Touristen eher abschrecken würden. Einige der Seitengassen waren eher schlecht als recht beleuchtet, und dort geschahen Dinge, die einem die Lust auf Souvenirs gründlich verderben konnten. Mark hatte sich in ein Hotel eingemietet, während Az seine lokalen Kontakte werkeln ließ; beim Einchecken war Mark ein Kandidat für eine solche archetypische dunkle Gasse aufgefallen, und nun übte sich der Paladin darin, mögliche Fluchtwege abzulaufen. Das ging ungefähr fünfzehn Minuten lang gut, bis er zufällig auf einen bewaffneten Raubüberfall stieß.

Mark hatte keine spezielle Abneigung gegen Diebe, aber er hatte seine normale Trainingszeit verpasst und dachte ernsthaft über eine Prise Leibesertüchtigung nach. Als einer der Räuber dann eine Pistole zog, schaltete Mark auf Nahkampfmodus und nahm die kurze Strecke von seinem Versteck zu dem Waffenhalter mit einigen bestimmten Schritten.

Dann zuckte etwas Schwarzes durch die Luft, der Gangster lag auf dem Boden, und Mark zielte mit dessen Pistole auf seine Kollegen. Mark war nicht gerade ein Polyglot, aber einige Symbole und Gesten waren universell: die Kollegen des Niedergeschlagenen begaben sich mit einigem Nachdruck schnellstmöglichst weit, weit weg von Mark. Der Paladin beäugte die Waffe – eine Glock 19 – und ließ seinen Blick auf den bewusstlosen Jugendlichen wandern, den er gerade ins Land der Träume geschickt hatte. Er war doch etwas enttäuscht; einerseits, weil der Kampf extrem einfach gewesen war, andererseits, weil er mit dieser Pistole den Beweis für den mangelnden Lokalpatriotismus seiner Gastgeber in den Händen hielt und die Korrektur seiner Vorurteile gegen Italiener ihn in einem unbehaglichen Zustand zurückließ. Die Pistole war nagelneu, und Mark steckte sie ein; nicht, dass er mit einer Neuner arbeiten würde, aber vielleicht konnte man die Knarre ja irgendwo mal als Wegwurfoption verarbeiten.

Die junge Dame, der Mark gerade die Handtasche gerettet hatte, machte sich ebenfalls schnell aus dem Staub, was er zwar verständlich fand, ihn aber trotzdem auf eine gewisse Weise noch unruhiger machte. Warum konnte er kein Gespräch mit normalen Leuten führen? Vielleicht war es einfach mal wieder an der Zeit für eine frische Rasur...

Der Abend war auf jeden Fall gelaufen. Die Frau an der Rezeption störte sich nicht daran, dass der schwarzgekleidete Neanderthaler-Nachkomme – nein, Entschuldigung, Herr Krüger, so stand es auf dem Reisepass – einen Kasten Bier nach oben ins Penthouse schleppte, denn im Gegensatz zu manch anderen Gästen neigte er dazu, seine Geräuschproduktion mit zunehmendem Alkoholpegel zu reduzieren, was in einer Welt voller männlicher Ethanol-Sammelbehälter mit asymptotischer Annäherung an die Lautstärke eines Solo-Rockkonzerts in Abhängigkeit vom Kohlenwasserstoffoxid-Pegel doch eine willkomme Rarität darstellte.

Und er zahlte im Vorraus! Mit Bargeld! Ein echter Prachtbursche.

Am nächsten Morgen betrat Dieter Niederburger ein Restaurant in Rom durch die Hintertür und verfiel in Remineszenz, denn in der Ecke brutzelte die biologische Gummimischung für den Hausteller Calamari Surprise, in dem der Söldner bei früheren Besuchen schon mal den einen oder anderen sorgfältig frittierten Finger vorgefunden hatte. Bei solchen Angelegenheiten zeigte sich Dieter verständlich, aber seinem Appetit war es nicht gerade förderlich. Ja, irgendwo musste die Mafia ja ihre „Verhandlungen“ durchführen, aber bei Sizilianern schien die Fragmentierung von weniger ehrlichen Geschäftspartnern zum diplomatischen Reportoire zu gehören. Egal. Er hatte Hunger. Aber er würde Fettucini bestellen.

Und das Wiener Schnitzel? Naja, reden wir nicht darüber.

Fiona war bereits vor Ort, als Dieter ungestört aus der Küche in das eigentliche Restaurant trat. Der Tisch am Fenster beunruhigte ihn, aber dann sah er die zwei rasierten Affen in schlecht geschneiderten Anzügen dort und sagte sich, dass sie mit den breiten Schultern ihre primäre Funktion als Kugelfang zu seiner vollsten Zufriedenheit erfüllen würden. Natürlich hatte man die Typen dafür nicht an den Tisch gesetzt, aber Dieter trug nur eine leichte Kevlarweste und hielt sich seine Optionen offen.

Apropos offen – Fiona zeigte sich ziemlich offenherzig, denn die obersten drei Knöpfe ihrer wirklich unverschämt engen Bluse waren offen, so dass etwas Spitze von ihrem BH herauslugte, und eine Perle Schweiß begann ihren langsamen, hormonanregenden Weg von ihrem langen, zarten, perfekten Hals nach unten zu ihren...

Ja, die Ohrfeige hatte er verdient.

„Hallo, Fiona. Schön, dich zu sehen.“

„Ich hoffe, der Ausblick war den Eintritt wert.“

Dieter rieb seine Wange geistesabwesend, während er sich am Tisch niederließ.

„Ein echtes Schnäppchen.“

„Das war ja auch der Seniorenpreis.“

Diese Bemerkung traf Dieter etwas härter, als er es wahr haben wollte, aber er machte gute Miene zum bösen (Wort-)Spiel und richtete seine Aufmerksamkeit auf die beiden in Anzugseide gepressten Kampfmaschinen auf der anderen Seite des Tisches.

„Willst du mir nicht deine Freunde vorstellen?“

„Das sind Rocco und Paulie. Sie arbeiten für unsere Auftraggeber. Mach dir keine weiteren Gedanken über die beiden Jungs, sie sind nur als Beobachter hier.“

„Beobachter? Aus Sizilien? Na, wenn du es sagst, Fiona. Ich hoffe doch sehr, dass diese zwei Haarspraygorillas dort drüben nicht das beste Personal sind, dass du auftreiben konntest.“

Dieter lächelte die beiden Sizilianer an, die das Lächeln erwiderten und es noch um eine neue Dimension von Grinsen erweiterten, aufgrund welcher man den völligen Mangel an höheren Hirnfunktionen nur zu gerne attestiert hätte. Daraus ergaben sich zwei mögliche Schlussfolgerungen:

  1. Die Jungs malten sich gerade aus, was sie mit Dieter anstellen würden, wenn die Mission vorbei wäre, oder

  2. Die Typen sprachen kein Wort Deutsch und hatten deshalb nicht die leiseste Ahnung, was er ihnen gerade an den dicken Schädel geworfen hatte.

Dieter tippte auf letztere Option, leise vorahnend, dass die Antwort auf dieses Mysterium bald nur noch von akademischem Interesse geprägt sein würde...

Nur etwa einhundert Meter entfernt bahnte sich ein Mann im Trenchcoat seinen Weg durch die verschlungenen Gassen von Rom. Calvins Magen knurrte, weil er in den letzten 16 Stunden genau ein Sandwich gegessen hatte (ein gutes Sandwich, ganz ohne Zweifel, aber nun mal kein Fünf-Gänge-Menü), und jetzt sollte er auch noch irgendeinen kleinen Mafiaburschen in den nächsten Linienflug nach La Guardia stopfen; was zum Teufel sollte das denn mit den Siegeln der Apokalypse zu tun haben? Hatte der Engel jetzt endgültig den Verstand verloren? Dann setzten seine Instinkte ein. Jemand verfolgte ihn.

Wundervoll.

Würde man die Bewegungen von Mark und Calvin an diesem Tage verfolgen, könnte man leicht auf die Idee kommen können, dass Ersterer Zweiteren verfolgte. Er hielt sich etwas weit zurück, aber der Abstand blieb relativ konstant, und nach einigen Minuten musste man zu der Schlussfolgerung kommen, dass Calvin versuchte, einen Verfolger abzuschütteln, und dass dieser ein in Schwarz gekleideter Attentäter aus New York sein müsste.

Soweit stimmte das ja auch, aber es war nicht Mark. Denn der war etwas weiter hinten und verfolgte Calvin’s „Schatten“ aus dem einfachen Grund, dass er ihn erkannt hatte. Der Typ gehörte zu einer kleinen Gruppe (von ebenfalls kleinen) Deserteuren, die sich letztes Jahr aus ihrem Arbeitsverhältnis mit Michael Besuccho „entzogen“ hatten, und dabei ein nicht unerhebliches Sümmchen „Trennungsgeld“ mitgingen ließen, so dass Besuccho jetzt ein ebenfalls recht stattliches Sümmchen jedem zahlen wollte, der ihm dabei half, die Männer zu „töten“, Zitat Ende.

Mark vermutete (zu Recht), dass der vom Big Apple ausgespuckte Gartenzwerg jetzt für Fredo arbeitete. Damit blieb es immerhin in der Familie.

Der Mann litt wohl etwas an Größenwahn (hah!), denn er schien sich sicher zu sein, dass Calvin ihn nicht bemerkt hatte. Das war insofern fatal, weil der Paladin hinter der nächsten Kurve einfach scharf auf eine Feuerleiter zulief und sich dann mit einem (durchaus beeindruckenden) Sprung außerhalb des Bereiches der Sichtbarkeit beförderte; das führte dazu, dass sich Calvin nun unbemerkt hinter seinen leicht verwirrten Verfolger setzen konnte. Es gab einen Hieb und das beunruhigende Geräusch von geschärftem Metall gegen Leder, dann lag der Attentäter-in-spe auf dem Boden vor Calvin und befummelte panisch seine Jacke, deren strategisch gewählte strukturelle Desintegration via Langschwert das darunter befindliche Schulterholster angesteckt hatte; die Schusswaffe lag also irgendwo im Dreck, und der Verfolger hatte ein silbern glänzendes, sehr scharfkantiges und nahe seinem Kinn ruhendes Problem.

Mark wählte genau diesen Moment, mit gezogener Waffe die Ecke zu umrunden und den beiden Streithähnen selbige zu präsentieren.

„Keine Bewegung!“

Calvin neigte seinen Kopf zur Seite und sah den Killer hinter sich. Seit seiner Berufung verabscheute er Feuerwaffen, denn das Schwert war sein neuer, bester Freund geworden. Dummerweise hatten die Leute um Calvin die dumme Angewohnheit entwickelt, auf ihn mit besagten Waffen zu zielen.

In solchen Momenten zeigte Gott, dass er Humor hatte. Calvin fand es gar nicht gut, ständig die Pointe zu spielen. Sein Blick wanderte zurück zu dem Antiriesen vor ihm.

„Wunderbar, noch ein Hinterhalt. Muss wohl dein Glückstag sein, Kleiner. Dein Partner is aufgetaucht.“

Mark näherte sich langsam, die Waffe immer noch auf den Calvin gerichtet.

„Ich hab mit dem Typen nichts zu tun. Ich will nur wissen, was hier abgeht.“

„Sie sind spät dran für unsere kleine Party.“

Irgendetwas durchzuckte Mark. Ein anderes Gesicht, eine andere Stimme, aber genau die gleichen Worte...nein, das konnte nicht sein – aber er musste sich sein.

„Dann bring mich mal aufs Laufende – Dämon.“

Mit dem letzten Wort wurde der Abgebrochene unruhig und bewegte sich rückwärts krabbelnd von Calvin weg, laut „Verstärkung!“ brüllend. Calvin seufzte und beobachtete vollkommen gelassen, wie sich der Giftzwerg selbst in die nächste Ecke beförderte; sein Lachen war menschlich, aber nicht gerade freundlich.

„Dämon? Glaubst du, dass ich ein Dämon bin?“

Er wandte sich an Mark.

„Hör mal, ich hab nicht den blassesten Schimmer, wer du bist, aber Mr. Big hier ruft gerade seine Kindergartenfreunde zu Hilfe, und ich hatte eigentlich nicht vor, ihn zu halbieren. Ich will auch ein paar Antworten. Also steck die Knarre weg, bevor du jemanden verletzt.“

Sprachs und schritt mit fester Mine auf den Kurzen zu, hiefte ihn mit einer Hand am Kragen nach oben und bescherte ihn mit einem Schwertgriff in die Schnauze einen (dringend notwendigen) Schönheitsschlaf. Während Mark die Waffe wegsteckte und sich langsam näherte, beäugte Calvin sein Werk.

„Zicke.“

Mark hatte sich inzwischen weit genug angenähert, um die halbe Portion zu inspizieren; an der Stelle, die Calvin mit dem Schwertgriff bearbeitet hatte, bildete sich bereits eine fette Beule. Mark lächelte.

„Der wird nachher Aspirin brauchen. Nun zu dir, Meister Ich-benutze-mein-Schwert-als-Knüppel. Was geht hier ab?“

Calvin begutachtete Mark kritisch; einerseits hatte er ihn gerade noch bedroht, aber andererseits schien er keine bösen Absichten zu verfolgen, und mit dem Sprachstil war es für ihn total unmöglich, auch nur im Entferntesten für die Besucchos zu arbeiten.

„Calvin ist der Name, Müllabfuhr das Spiel. Bin hier, um mit Fredo zu sprechen. Sieht so aus, als wolle er den Termin absagen.“

Mark nickte.


“Ich hätte ihn auch gerne gesprochen...ohne ihn zu verbeulen. Der Typ hat aber wohl verdammt viel Paranoia. Ich hab schon nen Anschlag hinter mir.“

Calvin nickte.

„Willkommen im Verein.“

Dieter liebte Zigaretten. Das war kein Fashion-Statement oder eine Frage von Stil; nein, er war einfach süchtig nach Glimmstengeln, und die geringe Lebenserwartung in seinem Gewerbe wog jedwedes Lungenkrebsrisiko vollständig auf. Oh, es gab Nichtraucher. Jede Menge. Sie faselten von Statistiken und Laborversuchen. Oder von „guten Freunden“, deren Leben durch das Rauchen ruiniert worden war. Oder von Kindern, die durch Passivrauchen zu Tausenden in frühe Gräber geschickt wurden.

All das wussten sie. Nur nicht, wie gut die erste Zigarette nach dem Aufstehen schmeckte.

Als er sich erneut eine Nikotinstange anzündete, bemerkte er zwei dunkel gekleidete Gestalten in einer Seitengasse, die über irgendetwas zu diskutieren schienen. Den ersten erkannte er nicht; der zweite Mann kam ihm irgendwie bekannt vor, als hätte er schon einmal ein Foto gesehen, aber der Name fiel ihm im Augenblick nicht ein. Seine Aufmerksamkeit wurde dann jedoch auf das nahende Motorengeräusch eines Audis gezogen, der sich mit bahnbrechender Geschwindigkeit auf das Restaurant zubewegte. Er ließ die Zigarette fallen, stampfte sie mit dem rechten Fuss aus und fühlte sich dazu berechtigt, sein Lieblingswort zu benutzen.

„Scheisse.“


Von Gatac


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Kapitel 2 - Feuertaufe-->

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[ Druckerfreundliche Version ] Letze Änderung: 30.06.2005