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Jagged Alliance 2 Basis ( Ja2 )
Biographien --> Sidney


Sidney`s Leben:


Sidney London 1994 den 17 Oktober

Es regnete an diesem kalten Oktobermorgen, als Sidney Nettelson durch das Tor der Kaserne auf die Straße schritt. Doch der wachhabende Soldat grüßte ihn nicht. Sidney war kein Soldat mehr, er war nun wieder Zivilist und stand zum ersten Mal seit 25 Jahren wieder in seinem abgewetzten Tweedmantel im Regen und wusste nicht wohin.

Langsam schlürfte er den nassen Gehweg entlang, den Koffer mit ein paar Kleidungsstücken fest in der rechten Hand. Er dachte darüber nach wie sein Leben denn so gelaufen ist.

Sidney wurde am 3 August 1949 geboren. Seine Eltern waren verarmte Landadelige, die sehr darauf bedacht gewesen waren den Glanz alter Zeiten zu erhalten, obwohl sie haushoch verschuldet waren. Sie kratzten die letzten Pennys zusammen und verkauften einen Großteil ihres Besitzes um für ihr einziges Kind die besten Privat Schulen zu bezahlen. Das hatte die beiden alten Nettelsons zwar fast in den endgültigen Ruin getrieben, ermöglichte ihrem Sohn aber die bestmögliche Ausbildung, was dieser durch großen Fleiß dankte, wusste er doch, dass seine Eltern alle Hoffnungen in ihn legten.

Groß war jedoch ihr Entsetzen, als sie dem gerade erst 16 Jahre altem Sidney den völlig überraschenden Wunsch ausreden mussten zur Armee zu gehen. So machte er schließlich seinen Abschluss mit sehr guten Noten, und beschloss auf Grund der angespannten Finanzlage seiner Eltern nicht auf eine Universität zu gehen sondern erst einen Beruf zu erlernen. Doch Sidney wusste nichts rechtes anzufangen. So verbrachte er die meiste Zeit mit Kricket spielen und Kinobesuchen. Nach etlichen abgebrochenen Ausbildungen sahen auch seine Eltern ein, dass Sidney wohl am besten beim Militär aufgehoben sei, für das er so schwärmte.

In diesem Moment fuhr ein Auto durch eine Pfütze und das dreckige Wasser, das sich über Hosen und Schuhe verteilte weckte Sidney aus seinem Grübelzustand. Er war an seinem Ziel angekommen. Das alte Mietshaus in Arsenal sollte die nächste Zeit seine Heimat sein. Langsam und bedächtig stieg er die Treppe hinauf zu seiner kleinen Zweizimmerwohnung. Er drehte den Schlüssel im Schloss und betrat die miefige dunkle Wohnung, die nur spärlich mit einigen kargen Möbelstücken eingerichtet war. Sidney stellte seinen Koffer ab und durchquerte angeekelt mit schnellen Schritte den Raum, riss ein Fenster auf und atmete tief die frische Luft ein. Er sah sich um, die Möbel hatte er billig bei einer Lagerhausauflösung erstanden, den Rest der Einrichtung hatte ihm ein Freund bei der Royal Navy besorgt. Es reichte für den Anfang, er war nicht anspruchsvoll und er hatte sowieso nicht vor lange hier zu bleiben. Er wusste zwar noch nicht was er tun sollte, aber hier in London wollte er nicht bleiben, ihn, der ewig auf Schiffen gelebt hatte, bedrückte die Enge der Stadt und der Gestank der Autos. Er wollte wieder aufs Land, nach Wessex, wo er herkam und für ihn immer noch Heimat bedeutete, obwohl seine Eltern längst tot und ihr Landgut mangels Käufer in den Besitz der Bank übergegangen war. Er wollte gleich morgen zum Hauptsitz dieses Kreditinstituts und fragen ob der Besitz zum Verkauf stehe. Er hatte noch jede Menge Geld auf dem Konto. Seit 20 Jahren hatte er seinen monatlichen Sold kaum angerührt. Was er zum Leben brauchte hatte ihm die Armee gegeben.

Wenn er sich so recht überlegte, sah seine Zukunft gar nicht so düster aus wie sie ihm immer vorgekommen war, seit er seinen Dienst bei dem Special Boat Service quittiert hatte.

 

London - Arsenal

Malcom Douglas saß ihn seinem schweren Ledersessel und war sichtlich ungeduldig, in seinen dicken Fingern hielt er die Akte von diesem Offizier Nettelson. Wo befand sich dieser Kerl?

Douglas war ein Spürhund. Er hatte vor vielen Jahren eine Detektei eröffnet. Untreuen Ehemännern und Handtaschendieben schnüffelte er jedoch schon lange nicht mehr hinterher. Douglas hatte sich den Ruf eines Experten erworben, wenn es darum ging gesuchte Personen ausfindig zu machen. So wurde er ein Spürhund. Jeder der dringend jemanden suchte der abgetaucht oder einfach verschwunden war kam zu ihm. Seine Kunden waren die Mafia, Privatpersonen, die Presse und manchmal, natürlich nicht offiziell, auch der Geheimdienst. Ihm war es egal was mit den Personen geschah die er aufgespürt hatte, solange er Geld dafür bekam. Seine Job war es nur dem Auftraggeber einen Zettel mir Adresse des Wohn oder Aufenthaltsorts zu geben. Dafür bekam er einen Umschlag voller Pfundnoten.

Diesmal schien es sich um ein harmloses Unterfangen zu handeln. Vor einiger Zeit hatten sich Vertreter von mehreren PMAs, sogenannten Private Military Agencies, und Sicherheitsfirmen bei ihm gemeldet. Sie erklärten, dass sie auf der Suche nach ehemaligen Militärs und anderen fähigen Personen seien, die für ihr Unternehmen nützlich sein konnten. Für jeden vermittelten Mann sollte ein nettes Sümmchen rausspringen.

Doch der Markt für "Freie experimentierfreudige Veteranen" erwies sich als ungeheuer klein. Trotzdem hatte er vor ein paar Tagen einen Mann gefunden, den er brauchen konnte. Einen gewissen Sidney Nettelson, der heute nach 28 Jahren Dienst bei der Royal Navy entlassen werden sollte. Die Akte kam von einem Freund aus dem Ministerium, der gern bereit war für ein gewisses Entgelt mit Informationen herauszurücken. Douglas hatte diese Information schon an eine Manchester Firma weitergegeben, die sich prompt einverstanden erklärten diesen Mann einzustellen und das Geld im Voraus bezahlte. Douglas war sich sicher, das dieser Nettelson sich leicht überzeugen lassen würde, seine Fähigkeiten in Zukunft für die Interessen einer Firma einzusetzen.

Malcom sah auf seine falsche Rolex und fluchte laut auf seinen unnützen Neffen Richi. Seine "liebe Schwester", die immer noch glaubte ihr Bruder habe eine Einzelhandelsunternehmen, hatte ihren Sohn vor 6 Monaten nach London geschickt, damit er bei seinem Onkel arbeitet. Zuerst war Douglas überhaupt nicht erfreut gewesen, da er bisher immer allein gearbeitet hatte. Aber es hatte sich schnell herausgestellt das sein Neffe ein kleiner Gauner ganz nach der Art seinen Onkels war, und genau verstand welchen Geschäften sein Onkel nachging. Dieser war inzwischen, vor allem weil sein Leibesumfang von Jahr zu Jahr zunahm sehr froh darüber, dass er die lästigen Aufgaben an seinen Neffen weitergeben konnte und nur noch selten, bei wichtigen Angelegenheiten, sein warmes Büro verlassen musste. Nur war der Junge leider furchtbar unzuverlässig und die meiste Zeit zugedröhnt. Er hatte den Auftrag diesen Nettelson mit seinem Wagen vor der Kaserne abzuholen und unter einem Vorwand direkt ins Büro zu bringen. Aber jetzt war er schon zwei Stunden überfällig.

Als wenn er gewusst hätte das sein Onkel ihn erwarte kam in diesem Moment Richi atemlos durch die Tür gestürmt.

"Puhh, Onkel Mal, es tut mir so Leid. Ich hab ihn irgendwie verpasst! Er war nicht da."

"Du Riesentrottel! Kannst du nicht mal was richtig machen! Das Hasch hat dein Gehirn wohl schon ganz aufgefressen!"

"Sorry, ich hab irgendwie nicht aufgepasst und bin im Wagen eingeschlafen."

Douglas stöhnte laut auf. Und verwünschte innerlich seinen Schafskopf von einem Neffen. Jetzt wurde es schwierig, London war groß und er musste sich beeilen, bevor Nettelson ihm durch die Lappen ging. Er öffnete eine Schublade im Schreibtisch und entnahm ihr den alten Revolver, der ihm schon oft wertvolle Dienste geleistet hatte.

"Onkel, du willst mich doch nicht erschießen nur weil ich...." stotterte Richi mit entsetzten Augen.

"Nein natürlich nicht du Idiot. Obwohl du es verdienst hättest. Wir gehen jetzt ins Eastend und hören uns ein bisschen um. Am besten sagst du gar nichts. Und kämm dir mal die Haare!"

Die beiden verließen das Büro und stiegen in den neuen Geländewagen dessen erste Rate Douglas mit dem Geld von der Manchester Firma bezahlt hatte.

 

 

London - Arsenal

Sidney war niedergeschlagen und wütend, er war gerade auf der Bank gewesen und hatte sich nach dem früheren Familienbesitz erkundigt. Der Preis war viel zu hoch, er hatte nur etwa mit der Hälfte gerechnet und alle seine Pläne schienen zu zerfallen. Er kaufte sich eine Zeitung und ging murmelnd immer gerade aus auf dem Gehweg.

"Verdammt, wie konnte ich mir eigentlich vorstellen den Besitz zurückzukaufen? Auch wenn ich das fehlende Geld auftreibe hab ich nichts mehr um den Betrieb wieder in Schwung zu bringen. Ich bin zu spät dran. Vor 15 Jahren hätte ich kommen sollen. Als Mutter noch lebte und Vater noch tatkräftig und entschlossen war und nicht der Alkoholiker als der er starb. Wir hätten es sicher geschafft. Aber allein hab ich keine Chance. Das Gut ist zu klein um rentabel zu sein und ich müsste viel ausbessern und wieder herrichten. Das alles kostet Geld und das kann ich mir nicht leisten."

Jetzt erst bemerkte er, dass er zu weit gelaufen war und er schon die letzte Seitenstraße zu seiner Wohnung hätte nehmen sollen. Er kehrte um und schlurfte in die Gasse in der er wohnte. Vor dem Mietshaus stand ein neuer glänzender Mitsubishi Geländewagen gegen den ein junger, in Sidneys Augen lax, gekleideter Mann lehnte. Der Wagen passte überhaupt nicht hierher und noch weniger zu dem jungen Mann. Doch was ging das ihn an. Er ging an dem Auto vorbei und wollte eben das Haus betreten als der junge Mann ihn anrief: "Hey! Ja du Alter! Wohnst du hier?"

Empört über diese Unhöflichkeit drehte sich Sidney um: "Ja, gibt es irgendein Problem Mister?"

"Bist du dieser Sack Nettelson?" Jetzt reichte es! Sidney reckte die Brust hervor und ging auf den Kerl zu.

"Ja der bin ich Bursche. Hast du ein Problem damit?" Das Gesicht des Kerls hellte sich auf und er packte Sidney am Arm und rief über seinen Kopf hinweg: "Onkel Mal! Ich hab den Kerl den du suchst!"

Wenn man eine Zeitung eng zusammenrollt erhält man ungewollt eine Art harten flexiblen Knüppel. Und eben so einen Knüppel rammte Sidney gerade dem lieben Richi einige Zentimeter unter dem Bauchnabel in das Beckenganglion. So ein Schlag ist äußerst schmerzhaft und sorgt außerdem korrekt ausgeführt bei vielen Menschen dazu, dass sich der Darm und die Blase reflexartig entleeren. Zu diesen Menschen gehörte auch Richi, der wie ein Messer zusammenklappte und von Sidney am Ohr wieder hoch gezogen wurde.

Sidney ließ Richi los und wendete sich zu einem dicken Mann, der in diesem Moment schwitzend und keuchend die Treppe herunterkam. Dieser machte jedoch keine Anstalten Sidney anzugreifen sondern schimpfte auf den stöhnend jungen Mann ein: "Richi, du hirnverbrannter Idiot! Was machst du denn? Wegen dir geht noch alles schief." Und zu Sidney gewandt "Mister Nettelson, wenn ich mich nicht irre. Ich entschuldige mich vielmals für das Verhalten meines Neffen. Mein Name ist Malcom Douglas, ich bin Detektiv und habe ihnen ein Angebot zu machen, dass sie nicht ausschlagen können. Aber dazu sollten wir lieber reingehen. Geschäftliche Dinge bespricht man nicht auf der Straße."

Nach kurzer Überlegung, ob er diese beiden seltsamen Typen in seine Wohnung lassen sollte ging Sidney voraus die Treppe hinauf. Douglas folgte ihm und Richi bildete mit nasser Hose den Abschluss.

Oben angekommen ließ sich Douglas erst einmal unaufgefordert auf einen Stuhl fallen und legte los.

"Wie Sie vielleicht schon gemerkt haben bin ich Geschäftsmann. Ich arbeite im Auftrag verschiedener Firmen, die fähige Männer wie Sie suchen. Eine dieser Firmen, das MaritimeRiskMangement ist sehr beeindruckt über ihren Werdegang bei der Navy und ihre dort erworbenen Fähigkeiten. Sie haben mich beauftragt sie für ihr Unternehmen zu werben..."

"Kommen sie bitte zur Sache, was ist das für ein Job? Hat es was mit dem Militär zu tun?" Sidney regte Douglas schleimige selbstgefällige Art langsam auf.

"Aha ich sehe Sie sind ein Mann der schnell zur Sache kommt. Das MaritimeRiskManegement bietet Reedereien an, gegen Bezahlung die Sicherheit ihrer Schiffe auf hoher See zu gewährleisten. Das Unternehmen möchte sich ein Bild von Ihnen machen um zu sehen ob sie der richtige Mann sind. Hier ist die Karte der Firma und ein Zugticket nach Manchester ab Central Stadion morgen um 14:30 Uhr."

Sidney runzelte die Stirn als er abwechselnd die Firmenkarte und das Zugticket betrachtete. Aber hatte er eine andere Wahl? Dieser Job sah nach sehr viel Geld aus und in London hielt ihn nichts. Er wollte es sich auf jeden Fall mal anschauen. "OK, ich fahr morgen dort hin."

"Eine weise Entscheidung. Gut ich will Sie dann nicht länger stören. Richi! Komm da aus dem Klo raus! Wir gehen." Malcom ging rückwärts zur Tür und Sidney hätte es nicht gewundert wenn er noch eine Verbeugung gemacht hätte.

Unten angekommen atmete Douglas auf, das Geschäft war gutgegangen. Es war nicht einfach gewesen diesen Nettelson zu finden. Er hatte fast ein halbes Dutzend Kneipen abgehen müssen bis er die Adresse erfahren hatte. Liebevoll streichelte er den Lack des neuen Wagens während er die Tür öffnete. "Richi, mit der dreckigen Hose steigst du mir nicht ein!"

Internationale Gewässer Südostasien; 22:30 Uhr - Ortszeit

Kapitän Jeff Newman begann gerade seine Runde auf seinem Schiff der "New Ocean Star". Alle Matrosen waren in ihren Quartieren und nur noch der Steuermann und sein Gehilfe waren noch auf den Beinen. Draußen lag ruhig und dunkel das Meer, als Newman aus seiner Kabine aufs Deck trat und über die Reling schaute. Auf einmal wurde er von hinten an Armen und Beinen gepackt und auf den Boden geschleudert. Er sah die armlange Klinge einer Machete vor seinem Gesicht und jemand sagte in perfektem Englisch: "Wenn Sie schreien werde ich Sie töten."

Es waren zehn Männer, alle schwarz gekleidet und die Gesichter hinter Masken verborgen. Newman wusste sofort, dass sie militärisch ausgebildet waren. Er ein alter Veteran aus dem Falklandkrieg erkannte einen Soldaten auf 300 Meter Entfernung. Und diese Männer waren Soldaten. Der Anführer der dem am bodenliegenden Newman immer noch das Schwert an den Hals hielt gab kurze Kommandos in einer fremden Sprache und die Männer verteilten sich über das Schiff. Newman überlegte fieberhaft. "Das müssen Piraten sein verdammt noch mal. Aber soweit draußen? Wir sind mindestens 40 Meilen von der Indonesischen Küste entfernt und im nahegelegenen Singapur gibt es keine Piraten. Kurz dachte Newman darüber nach aufzuspringen und zu versuchen den Vermummten zu überwältigen, aber da hörte er auch schon die Schritte eines weiteren Mannes hinter sich. Er wurde auf die Beine gezerrt und der Mann mit dem Schwert nahm ihm die teure Uhr ab. Der zweite fesselte ihm die Hände mit einer Nylonschnur. Dann bekam er einen Tritt der ihn zurück in die Gang schleuderte. Sie zerrten ihn in die Kabitänskajute. "Wo ist das Geld?" Newman zuckte nur mit den Achseln. Daraufhin packte ihn der Anführer an den Haaren, schlug ihm ins Gesicht und hob drohend sein Schwert. In diesem Moment gab ihm der andere ein Zeichen. Er hatte den Safe gefunden. Als der Anführer die Alarmanlage sah brüllte er den Kapitän an: "Wenn der Alarm losgeht sterben Sie!" Newman wusste, dass diese Kerle es ernst meinten. Piraten sind keine Ladendiebe und oft verschwinden ganze Mannschaften spurlos. Er begann auf den Knien rutschend mit zittrigen gefesselten Händen unter dem kleinen Teppich nach dem Safeschlüssel zu tasten. Der andere Pirat, der jetzt eine Pistole in der Hand hielt ließ ihn keinen Moment aus den Augen. Sie wurden ungeduldig. Schließlich hatte er den Schlüssel gefunden und gab ihn dem hinter ihm stehenden Anführer. Der grunzte zustimmend und sperrte den Safe auf. Die 20 000 Dollar aus der Schiffskasse ließ er in einer Tasche verschwinden. Der andere Pirat, anscheinend eine Art Adjutant nahm die paar britischen Pfund und die Singapurdollar, die sein Chef verschmäht hatte. Außerdem wanderte das Portemonnaie Newmans unter seinen schwarzen Wollpullover. Als die beiden die Kabine verließen nahmen sie Newman in die Mitte. Zum ersten Mal hatte er Todesangst, wenn sie nur das Geld wollten hätten sie ihn in der Kabine eingesperrt. Jetzt wo sie ihn wieder nach oben brachten war ihm klar. Sie wollten das Schiff.

An Deck angekommen fuhr Newman der Schreck in alle Glieder. Alle 12 Mann der Besatzung waren an Deck versammelt. Vom philippinischem Küchenjungen Santo bis zum stämmigen russischem Steuermann Sergej Klawonin. Sie wurden von mit Gewehren bewaffneten Piraten in Schach gehalten. Noch ehe Newman sich über alles im klaren war, was geschehen war, wurde einer der indischen Matrosen von zwei Männern gepackt und über Bord geworfen. Ein zweiter folgte. Newman brach der Schweiß aus: "Verdammt, Last das ihr Schweine! Ihr bringt Sie ja um!" Sofort spürte Newman die kalte Klinge, die sich auf sein Genick legte. Er wusste genau, dass es keinen Sinn hatte, er hatte schon öfter von Piratenüberfällen gehört, die Mannschaft wurde fast in allen Fällen über Bord geschmissen. Wenn sie Glück hatten bekamen sie ein Rettungsboot, wenn sie Pech hatten Bleigewichte an die Füße. Mann um Mann war über Bord gegangen. Nun war Santo an der Reihe. Doch als der Adjutant mit der Pistole Richtung Reling zeigte schüttelte dieser den Kopf. "Ich kann nicht schwimmen, ich spring nicht raus." Er drehte sich um und versuchte Richtung Mitteldeck abzuhauen. Er kam nur einige Meter bis er einen Schlag mit dem Gewehrkolben auf den Kopf bekam. Einer der Piraten packte den Bewusstlosen und wollte ihn gerade ins Meer schmeißen, als Klawonin, der einzige außer dem Käptn der noch an Bord war, sich los riss und auf den Piraten losstürmte. Newman der seinem Steuermann helfen wollte sprang vor, bekam aber sofort einen Schlag versetzt, der ihn zu Boden schleuderte. Als er aufsah sah er den Russen wie er mit dem Piraten rang. Santo war trotz seiner Bemühungen über Bord gegangen. Auf einmal knallte ein Schuss. Der Pirat mit dem Klawonin kämpfte ging zu Boden. Der alte Seebär hielt nun das Gewehr des Gegners in den Hände und schaute fast ebenso verdutzt wie der Tote, bis er die Gewehrläufe in seinem Rücken spürte.

Newman schloss die Augen und hörte die Schüsse nur noch unbewusst. Gleich würden sie ihn töten und ins Meer schmeißen, wie den guten alten Sergej. Er wurde hoch gezerrt und der Anführer der Bande zischte ihm ins Ohr: " Du darfst noch etwas leben, wir brauchen Dich noch. Das war unser Kapitän!" Er deutete kurz auf den tot am Boden liegenden Piraten und gab Newman einen Schubs Richtung Brücke.

Die verzweifelten Schreie der Überbordgeworfenen wurden leiser je weiter sich der Ozeanriese entfernte.

London à Manchester

Sidney schlief im Zug immer wieder ein. In den Phasen zwischen Halbschlaf und Schlaf ließ er einen Teil seines Lebens Revue passieren:

Mit 19 Jahren war er zur Navy gegangen. Das war Tradition mit der erst sein Vater gebrochen hatte. Einer seiner Urgroßväter war sogar Kapitän eines Schiffes gewesen und hatte bei der Niederschlagung des Boxeraufstandes in China mitgewirkt. Sidney wusste nicht ob er darauf stolz sein sollte.

So war er auf der ganzen Welt herumgekommen., von Hong Kong bis in die Barentsee. 1972 hatte er sich im Alter von 23 Jahren bei dem Special Boat Service kurz SBS gemeldet und war nach einem harten Auswahlverfahren eingestellt worden. Dort wurde er im Gebrauch von Snipern - und schweren Waffen ausgebildet. Nur im technischen Bereich hatte er einige Probleme, die er jedoch durch Spitzenergebnisse bei der Treffgenauigkeit wieder wett machte. Sein erster Einsatz führte ihn direkt in den Oman, wo er sich bei Gefechten mit den kommunistischen Rebellen, die den Schah stürzen wollten, seine Sporen verdiente. Als dieser Konflikt bis 1976 immer mehr zur Ruhe kam und die Briten ihre Truppen nach und nach abzogen wurde er in den Iran geschickt wo er die iranischen Kampfschwimmer ausbildete. Nach dem Putsch durch die Islamisten unter Ajatollah Khomeini wurde er jedoch wieder abgezogen und bildete bis 1982 zusammen mit anderen SAS Leuten norwegische Soldaten aus.

Dann im Jahre 1982 besetzten die Argentinier die Falkland Inseln. Die britische Regierung entschloss sich zu einem militärischen Eingreifen und startete ihre bisher größte Mission seit dem 2 Weltkrieg. Als einer der Ersten war Sidney mit seinem SBS Team vor Ort. Sie leiteten Kommandooperationen zu Land und Wasser, Wochen bevor die eigentliche Invasion begann. Am 21 Mai war es schließlich soweit. Die britische Armee landete in der San Carlos Bay. Bei dieser Operation hatte Sidney Nettelson die Aufgabe mit seinem SBS Team einen Außenposten in unmittelbarer Nähe des vorgesehenen Landungsort auszuheben. Sie griffen unter Schutz von Schiffsartillilerie den Außenposten an und töteten oder nahmen die 25 dortigen Soldaten gefangen.

Wenig später kam es jedoch zu einer Tragödie. Sidney hatte dieses Erlebnis immer noch deutlich in Erinnerung.

Es war ein Routinejob ein Team sollte ein Gebiet auf versprengte Gegner kontrollieren. Es war windig und kalt, Sidney hatte auf den Falklands noch nie anderes Wetter erlebt. In der Dunkelheit sah man kaum ein Dutzend Meter weit. Sie waren 10 Mann, Sidney führte den Trupp an. Alle waren äußerst vorsichtig und hatten die M16 Gewehre schussbereit in den Händen. Aufmerksam und ohne unnötigen Lärm zu machen schlichen sie auf einen kleinen Hügel zu. Sidney legte sich auf den Boden und robbte die letzten Meter zum höchsten Punkt. Seine Männer taten es ihm nach. Durch das Nachtsichtfernglas betrachtete er den sanft abfallenden Hang und die mit Ginsterhecken überzogene Ebene vor ihm. Er reichte das Glas an Sergeant Hunt weiter der neben ihm lag. "Sieht ruhig aus. Was meinst du Kiwi?" flüsterte Sidney dem Sergeant zu, der von seinen Freunden Kiwi genannt wurde.

"Ja, lass uns einfach runtergehen und das Dickicht durchsuchen." antwortete Hunt.

"OK, eine andere Möglichkeit haben wir nicht."

Sidney sah kurz auf die Landkarte und pirschte dann geduckt den Hang hinab. Kurz bevor er die Hecken erreicht hatte überprüfte er noch einmal seine M16 und blickte sich um. Seine Leute hatten sich in einer langen Linie verteilt und drangen gerade in das Dickicht ein. Die Äste zerkratzten Sidneys bloße Arme da er die Ärmel bis hinter die Ellenbogen zurückgekrempelt hatte. Immer wieder blieb er kurz stehen und horchte nach verräterischen Geräuschen. Aber er hörte das leise Rascheln seiner Leute die sich vorarbeiteten.

Das Gebüsch schien wie erwartet leer zu sein. Nach etwa 30 Metern lichteten sich die Hecken und vor ihnen lag wieder offenes Gras.

Sidney hätte die am Boden kauernde Gestalt nicht bemerkt, wenn sie nicht plötzlich wenige Meter vor ihm aus dem hohen Gras gesprungen wäre. Sidney lies sich instinktiv auf den Boden fallen und feuerte dem Flüchtenden eine kurze Salve hinterher.

"Da ist einer! Passt auf es könnten noch mehr da sein!"

Irgendwo links von ihm knallten einige Schüsse und auf einmal war das eben noch so ruhige Tal erfüllt von Leben. Sidney stürmte vor. Er war wütend weil er sich hatte überraschen lassen. Die Gegner schienen jedoch nicht auf einen Kampf auszusein und nach den ersten Schüssen flohen die beiden letzten Überlebenden den Hang hinauf. Nachdem Sidney sich vergewissert hatte das alle 9 Mann unverletzt waren hetzte er den Fliehenden hinterher. Noch bevor sie die Kuppe des Hügels erreicht hatten entsicherte Sidney eine Handgranate. In weitem Bogen schleuderte er sie mit aller Kraft den beiden Flüchtenden hinterher.

Diese blieben wie angewurzelt stehen als nur 20 Meter vor ihnen die Granate detonierte. Dann lief einer nach links der andere nach rechts weg.

"Kiwi, aufteilen!" Dieser kurze Befehl genügte und Sergeant Kiwi rannte mit drei Männern dem Flüchtenden hinterher. Sidney und die restlichen Soldaten blieben dem Anderen dicht auf den Fersen. Nach ein paar Minuten stolperte der feindliche Soldat und verlor dabei seinen Revolver. Er versuchte noch zu ihm zu kriechen, aber die Elite Marines waren sofort über ihm. Einer der Briten drückte ihm seinen Stiefel ins Genick und ein anderer hob die Waffe auf.

Nun begann sich Sidney Sorgen um die Anderen zu machen. Nachdem der Gefangene verpackt war kehrten sie schleunigst um und kamen zu der Stelle wo sie sich getrennt hatten. Von irgendwo her drang leise ein Schuss.

Kam er von Kiwi und seinen Leuten? Dafür war er wohl zu weit entfernt. Sidney war unwohl zu Mute. Er rannte auf die nächste Hügelkuppe. Oben angekommen sah er sich keuchend um. Zwei der Soldaten waren ihm gefolgt. Auch sie schienen Sidneys Sorgen zu teilen. Einer sagte: "Weit können sie ja nicht gekommen sein." Das beruhigte Sidney überhaupt nicht. Nachts hatte in dieser verdammten Ödniss schon mancher britische Soldat die Orientierung verloren.

Wieder ein Schuss! Und noch einer. Irgendwo weit weg schien ein Feuergefecht entbrannt zu sein.

Sidney hielt nichts mehr. Er rannte wie ein Irrer los. Er rannte eine halbe Meile und hatte schon längst sein zugewiesenes Territorium verlassen als er die Kämpfenden sah. SAS Truppen beharkten mit Maschinengewehren von einem Hang aus ein Dickicht in der Talsohle. Sidney konnte sie nicht stoppen oder dazwischen gehen. Nach einigen Sekunden ebbte das Feuer ab.

Seine schlimmsten Befürchtungen sollten war werden. Jeff Brigsen, einer von Sidneys Männern trat vorsichtig mit erhobenen Händen hinter einem Steinblock hervor. Sidney vergrub seinen Kopf in den Händen.

Sidney Nettelson war vor dem Militärgericht freigesprochen worden, ebenso der verantwortliche SAS Offizier. Hunt hatte sich in ein Gebiet begeben in dem SAS Soldaten patrouillierten. Es war klar auf der Karte eingezeichnet. Ob es nun Fahrlässigkeit oder ein Missgeschick war, wurde nicht weiter untersucht.

Denn der Betroffene Sergeant "Kiwi" Hunt starb durch "friendly fire" als einziger SBS Soldat im Falklandkrieg.

Sidneys bisher einwandfreier Lebenslauf hatte einen hässlichen Fleck bekommen. Trotz des Freispruches blieben Zweifel über seine Mitschuld an dem Unglück. Obwohl es niemand laut sagte war für Sidney klar, das er auf ewig gebrandmarkt war.

Nach dem Falklandkrieg wechselte er zur C-Gruppe des SBS. Dort trainierte er vor allem für Geiselbefreiungen und Hochseeeinsätze. Der Golfkrieg zeigte Sidney deutlich, dass seine Karriere beim Militär gelaufen war. Andere wurden bei Beförderungen vorgezogen und er war inzwischen 41 Jahre alt. Schließlich wurde er auch noch vom Hauptquartier des Special Boat Service in Pool abgezogen um Kadetten in einer Londoner Offiziersschule zu unterrichten.

Einen ähnlichen, wenn auch stark gekürzten und sachlich verfassten Lebenslauf hatte auch John Folby vor sich. Der etwas dicke 50er mit dem dichten weißen Haar überflog das Schriftstück und fixierte darauf den vor ihm sitzenden Sidney skeptisch. "Sie waren also bei dem Special Boat Service und haben reichlich Erfahrung. Wie Sie wissen sind ich, und meine Firma, sehr an ihren Fähigkeiten interessiert die Sie sich in der Royal Navy erworben haben. Sie sind ein Mann in den besten Jahren und könnten für unser Unternehmen eine große Hilfe sein. Wären sie denn prinzipiell bereit für uns zu arbeiten.?"

"Bisher weiß ich noch nicht einmal genau was für eine Art für Arbeit ich machen soll. Ich bin mir auch noch nicht im klaren mit was ihr Unternehmen überhaupt handelt. Bisher hab ich nur erfahren, dass sie Sicherheitsdienste für Reedereien anbieten."

"Natürlich, mir war klar. dass Sie vorher Bescheid wissen wollen bevor Sie eine Zusage treffen. Well, wir, das MaritimeRiskManagement haben uns wie der Name schon sagt, darauf spezialisiert Schiffseignern möglichst große Sicherheit für ihre Schiffe zu gewährleisten. Dieses Geschäft reicht von der Beratung bei der Einstellung der Besatzung bis hin, na wie soll man sagen: aktiven Eingriffs im Falle des Verschwindens eines Schiffes. Sie müssen wissen, das in den letzten Jahren die Fälle von Piraterie stark zugenommen haben. Vor allem die Gewässer Südostasien und Ostafrikas sind heutzutage ein gefährlicher Ort für Frachtschiffe. Schiffe werden immer häufiger auf hoher See gekidnappt und verschwinden samt Fracht und Besatzung spurlos. Für einen Schiffseigner ein riesiger finanzieller Verlust. Selbst eine Schiffsladung Reis ist an die 40 Millionen Dollar wert. Den Wert des Schiffes nicht mitgerechnet. Die Frachter tauchen manchmal nach Jahren unter neuem Namen in irgendeinem Hafen wieder auf. Die Besitzverhältnisse nach so langer Zeit zu rekonstruieren ist extrem schwierig. Unsere Aufgabe ist es, es gar nicht soweit kommen zu lassen. Sobald irgendwo ein Schiff eines unserer Kunden verschwindet klingelt bei uns das Telefon und wir sorgen dafür, dass das Objekt wieder zu seinem rechtmäßigen Besitzer zurückfindet.

Und hier kommen Sie ins Geschäft, Mister Nettelson. Nachdem wir das Schiff ausfindig gemacht haben wird ein Trupp Männer entsandt, die das Schiff wieder von den Piraten übernehmen."

Sidney unterbrach ihn: "Und ich nehme an die Piraten werden ihre Beute nicht so ohne weiteres rausrücken."

"Genau, Ihre Aufgabe wäre es die Piraten davon zu überzeugen das Schiff zu verlassen. Wenn es nötig ist auch mit physischer Gewalt. Ich denke Sie haben verstanden worauf ich hinaus will. Sie waren 20 Jahre beim SBS und habe Erfahrung im Erstürmen von Schiffen und anderen Aktivitäten in diesem Bereich. In unserem Unternehmen arbeiten einige ehemalige Mitglieder des Special Boat Service. Möglicherweise sogar einige gute Bekannte von Ihnen. Die Bezahlung stimmt auf jeden Fall. Für jeden Einsatz erhalten sie 10 000 britische Pfund, für den Anfang. Ich bin mir sehr sicher, dass wir später auch über eine Gewinnbeteiligung sprechen können."

Sidney ging einen Moment in sich. Alles klang sehr vielversprechend. Aber konnte er so etwas tun? Zum Söldner werden? Denn nichts anderes würde er sein, wenn er für Geld kämpfte. Aber hatte er das nicht schon sein ganzes Leben getan? Diesmal würde er sein Gehalt eben von einer Firma bekommen und nicht vom Staat. Sidney war sich sicher.

"Einverstanden. Ich nehm den Job."

Südostasien 11 Uhr

Kapitän Newman versuchte nicht auf die Piraten zu achten. Sie saßen in der Ecke und beobachteten ihn. Seit fast vier Stunden, als sie auf das Schiff gekommen waren und die Besatzung getötet hatten ließen sie ihn nicht aus den Augen. Ihr Anführer hatte Newman befohlen die Richtung zu wechseln und Kurs auf Indonesien zu nehmen. Dort würde das Schiff dann wahrscheinlich in einem kleinen Hafen umbenannt werden und gefälschte Papiere bekommen. Dort konnten sie dann auch einen anderen Kapitän an Bord nehmen und damit wäre sein Schicksal besiegelt. Newman hatte keine Lust als Wasserleiche am Grund des Meeres zu enden. Er würde dafür sorgen, dass sich die Fahrt in die Länge zog. Er begann damit, dass er in einem günstigen Moment das Gas zurücknahm und um einige Knoten verlangsamte. Irgendwann würden die Chefs merken das ihr Schiff verschwunden war. Ob sie was tun konnten war eine andere Sache.

Manchester

Sidney wurde schon früh morgens um 6 Uhr 30 durch das Klingeln des Telefons geweckt. Gestern hatte er einen vorläufigen Vertrag für 1 Monat bei MaritimeRiskManagemant unterschrieben. Nun setzt er sich in dem Hotelbett auf und nahm den Hörer ab. "Hier Nettelson."

"Hier ist John Folby. Sie haben wahnsinniges Glück. Erst seit einem Tag dabei und schon ein Auftrag für Sie. Kommen sie so schnell wie möglich ins Büro. Und beeilen sie sich. Jede Stunde die wir verlieren macht die Sache schwieriger."

Folby ließ Sidney keine Zeit zum Reagieren und legte auf. Sidney zog sich schnell an und verließ das Hotel. Er nahm sich ein Taxi und fluchte das er keine Zeit hatte zu frühstücken.

Im Sitz von MaritimeRiskManagement angekommen betrat er das Büro von Folby. Es waren mehrere Männer anwesend. Folby stellte sie Sidney vor:

"Mister Nettelson, sie kennen die Herren noch nicht. Das hier ist Mister Bernhard, Besitzer der Shiptech Reederei," der ältere Mann musterte Sidney mit kaltem Blick," das ist Rhidian River," er deutete auf einem Mann Mitte dreißig in einem perfekt sitzendem blauen Dreiteiler, "er leitet unsere amphibischen Unternehmungen. Mister Marqui, Mister Briggs und Mister Hamleigh." Die drei Letztgenannten saßen in bequem wirkenden braunen Stoffsesseln. Sidney ließ sich neben ihnen nieder.

"Sie haben noch nichts verpasst Mister Nettelson, wir haben auf Sie gewartet." In Folbys Stimme schwang eine Spur von Vorwurf mit. "ich beginne von vorne meine Herren: Mister Bernhard, ein geschätzter Kunde unserer Firma kam heute Morgen sehr früh zu mir. Er ist in großer Sorge um eines seiner Schiffe. Seit 16 Stunden hat er bereits nichts mehr von seinem Schiff der 'New Ocean Star' gehört."

"Inzwischen sind es schon fast 18 Stunden." warf Mr Bernhard ein." Die letzte Funkmeldung wurde gestern um ca. 14 Uhr 30 im Nautischen Wetterzentrum in Singapur aufgefangen. Seitdem haben wir nichts mehr von dem Schiff gehört. Außer dieser einen Sache." Bernhard kniff den Mund zu einem dünnen Strich zusammen. Bisher hatte er zu Sidney und den anderen vier Männern geredet. Bei dem letzten Satz wandte er sich an Folby, der fortfuhr:

"Bei dieser Sache handelt es sich um einen toten Matrosen der wahrscheinlich von der 'New Ocean Star' stammt. Er wurde vor einigen Stunden von einem panamesischen Frachter aus dem Wasser gefischt. Er ist ertrunken. Nachdem er dies erfahren hat, tat Mr Bernhard das einzig richtige und kam zu mir. Alle Zeichen deuten daraufhin, dass das Schiff gekidnappt wurde. Wir gehen davon aus, dass es malaiische oder indonesische Piraten waren. Sie haben die 'New Ocean Star' gekapert und die Besatzung über Bord geschmissen. Das Ziel ist, so schnell wie möglich das Schiff zu finden und zu seinem rechtmäßigen Besitzer zurückzuführen. Erklären sie den Männern die Einzelheiten."

Mr Bernhard atmete durch: "Die New Ocean Star befindet sich seit drei Wochen auf See. Es handelt sich um einen modernen Frachter Baujahr 1989. Er ist im Besitz der Shiptech Reederei und läuft unter griechischer Flagge. Der Kapitän ist Brite, Jeff Newman, ein erfahrener Seemann. Die Besatzung ist gemischt aus Russen, Indern und Philippinos. Alles erfahrene Seeleute. Die 'New Ocean Star' sollte verschiedene Güter in asiatischen Häfen aufladen und dann diese nach Triest und London bringen. Zum Zeitpunkt der Entführung hatte sie vor allem Textilien aus Korea und Taiwan an Bord. Der Frachter und die Ware sind zusammen etwa 150 Millionen Dollar wert. Es würde einen furchtbaren finanziellen Verlust für Shiptech bedeuten, sollten wir das Schiff nicht zurückbekommen. Die 'Übernahme' ereignete sich etwa 60 Meilen hinter der Meerenge von Singapur. Dort sind Piratenüberfälle zwar selten aber nicht ungewöhnlich. Für genauere Informationen habe ich Mr Folby die Baupläne der 'New Ocean Star' gegeben. Wir sind uns über die Bezahlung bereits einig. Eine neue Besatzung wird schon in Singapur warten wenn das Schiff ... befreit wurde.

Ich möchte mich jetzt gerne verabschieden."

Folby begleitete Mr Bernhard aus dem Raum und Sidney hatte die Gelegenheit die anderen Männer genau zu mustern. Der im blauen Anzug wandte sich an ihn:

"Sie sind also der Neue. Na, wir werden ja sehen ob sie wirklich so gut sind. Sie waren beim SBS. Hamleigh und Biggs ebenfalls. Wie es aussieht wird es bald wieder losgehen. Wahrscheinlich starten wir gleich von hier aus."

Sidney wunderte sich über diese Andeutungen als Folby wieder zurückkam. Ihm folgte seine hübsche Sekretärin die ein Tablett voller belegter Brötchen trug. Sie stellt es auf einem kleinem Tischchen ab und lächelte Sidney mit ihren weißen Zähnen zu. Sidney stierte ihr hinterher als sie den Raum verließ.

"Greifen sie zu meine Herren." Folby hatte sich wieder auf seinem Sessel niedergelassen. "Wir müssen dieses Schiff finden und zurückbringen. Nach allen Informationen waren es entweder malaiische oder indonesische Piraten. Das Schiff fuhr Richtung Westen. Es ist sehr wahrscheinlich das die Piraten den Kurs geändert haben und irgendeinen Hafen ansteuern wo sie die Ware verkaufen können. Malaysia oder Südchinesisches Meer, schätze ich mal. Wir haben schon viel Zeit verloren. Unglücklicherweise kann man Textilien in fast jedem Hafen absetzen. Im Gegensatz zu Gütern wie Reis, Getreide oder Öl braucht man keinen besonderen Anlagen zum Auspumpen des Schiffes. Ein mittelgroßer Kran zum Abladen der Container genügt. Der Raub war sicherlich von langer Hand geplant und nicht von irgendwelchen Eingeborenen kurzfristig angesetzt. Das Schiff wurde sehr weit von der Küste entfernt gekapert und man muss für Textilien im Voraus einen Käufer finden. Ich schätze Mal einer unserer alten 'Freunde' in Singapur und Hong Kong ist dafür verantwortlich. Turnschuhe und Sportjacken bringen nur Geld, wenn man sie nach Europa oder Amerika schafft, wo die Käufer sind. Dafür braucht man Verbindungen, und die hat ein kleiner Ganove nicht. Ich tippe mal, dass Burton, Hang Zeh oder Richeleon dahinterstecken."

Sidney sagten diese Namen nichts, aber River nickte zustimmend. "Richeleon hat sich auf Öl spezialisiert. Die letzten zwei Jahre hat er nur Öltanker entführen lassen. Die werden dann einfach leergepumpt und versenkt."

"Wahrscheinlich haben sie Recht Rhidian. Also Burton oder Hang Zeh. Burton braucht immer Geld. Ich hab ihn mal in Macau getroffen. Der Mann verspielt im Kasino jeden Monat mehrere Millionen Dollar. Er kennt sicher auch Schmuggler die gefälschte Textilien nach Europa bringen. Die lecken sich die Finger nach ein paar 100 Tonnen echten Adidas-Socken. Burton ist vorsichtig, er heuert für jeden Auftrag andere Piraten an. Vor allem aber ist er gefährlich. Erinnern sie sich noch an den Kronzeugen den Lloyds vor ein paar Jahren auftreiben konnte. Er sollte gegen Burton aussagen. Der arme Kerl landete in Manila in einer Fischfabrik, wo er verarbeitet wurde.

Sicher genauso skrupellos ist Hang Zeh, emigrierter Chinese und Selfmade Millionär. Überall wo Geld zu verdienen ist, taucht diese Kanalratte auf und steckt ihre Finger rein. Er unterhält eigene Ausbildungslager für seine Piraten. Ich weiß das genau, er hat versucht meine Leute abzuwerben." Auf Folbys Stirn erschien eine Zornesfalte und er blickte forschend in die Runde.

Sidney war unwohl. Hier schien einiges nicht ganz in Ordnung zu sein. Die Piraterie musste ein ergiebiges Geschäft sein, wenn sich der Aufwand lohnte westliche Soldaten zu bestechen. Sidney befürchtete, dass er in eine Privatfehde zwischen Folby und den Größen des Piratengeschäfts geraten war.

"Hang Zeh geht über Leichen. Sollte er hinter dem Raub der 'New Ocean Star' stecken wäre es mir eine Freude sie ihm wieder abzujagen. Ich weiß, dass Hang Zeh Geld braucht. Er hatte in letzter Zeit hohe Ausgaben und musste Bestechungsgelder an Militärs und Polizei zahlen. Wenn wir ihm die Beute abnehmen gerät er finanziell ins Straucheln.

Auf jeden Fall müssen Sie sofort los, meine Herren. Für sie Mr Nettelson ist es der erste Einsatz. Mr River wird Ihnen alles genauer erklären. Jetzt dürfen Sie keine Zeit verlieren. Das Flugzeug wartet. Instruktionen erhalten sie unterwegs."

Sidney verließ mit den vier Männern das Büro und hätte beinah die langbeinige Sekretärin umgerannt die eben Kaffee bringe wollte. Sie stiegen in den Aufzug. Trotz allem Unwohlsein gefiel Sidney die Sache irgendwie. Er fühlte sich wieder wohler. Militärische Befehle und Präzision, das war was ihm gefiel. Die anderen vier Männer waren sicherlich auch Militärs. Die Namen Hamleigh und Briggs brachte er sogar dunkel mit dem Special Boat Service in Verbindung.

Sie waren automatisch in eine halb marschierende Gangart verfallen und alle Besucher, Boten und Angestellten im Foyer blickten auf und sahen den fünf Männern nach die es anscheinend eilig hatten das Gebäude zu verlassen.

Sie stiegen in zwei Mercedes Limousinen, die mit Chauffeur vor dem Firmengebäude warteten und fuhren Richtung Flughafen.

Auf der Rückbank wandte sich Rhidian an Sidney: "Ich hoffe sie sind bereit für diese Aufgabe. Sie werden, wenn es soweit kommt einen Trupp führen. Ich habe ihre Akte gelesen. Sie sind ein richtig erfahrener Haudegen." Er schlug auf die schwarze Aktenmappe auf seinem Schoß.

"Einen Trupp? Kommen denn noch mehr Männer?"

"Ja. In London steigen fünf weitere Männer zu."

Den Rest der Fahrt schwiegen beide. Am Flugplatz angekommen wartete eine dreimotorige Dassauld auf die Männer. Sidney fiel auf, das er gar keine Zeit hatte sein Gepäck mitzunehmen, aber die anderen Männer trugen bis auf Rhidian River, der seine Aktentasche verstaute, auch nichts bei sich.

Die Maschine hob ab und das gleichbleibende Motorengebrumm beruhigte Sidney und da keiner der Männer großes Interesse zeigte ein Gespräch zu führen versuchte er zu schlafen. Doch der Flug nach London war nicht weit und dort stiegen weitere Männer zu. Es wurde eng in dem kleinen Flugzeug. Mit dem Piloten saßen elf Mann im Flugzeug und als die Maschine wieder abhob ergriff Rhidian River das Wort. Zuerst erklärte er den Neuankömmlingen den Hintergrund der Operation, der Sidney aus Folbys Büro bereits bekannt war.

"Jetzt zu den allgemeinen Punkten. Die 'New Ocean Star' befindet sich irgendwo in einem 1000 Kilometer Radius um Singapur. Weiter kann sie auf gar keinen Fall gekommen sein. Wir werden in Malaysia landen wenn wir bis dahin noch keine weiteren Instruktionen erhalten haben. Das Schiff muss irgendwann einmal in einem Hafen einlaufen. Wir müssen versuchen diesen Zeitpunkt abzupassen. Auf hoher See ist es praktisch unmöglich das Schiff zu finden. Deshalb müssen wir auf Informationen warten. Zuerst also allgemeine Dinge.

Die 'New Ocean Star' ist ein Frachter Baujahr 1989 aus einer Werft in Norwegen. Sie ist 215 Meter lang und 35 Meter breit, falls das irgendwen interessiert. Sie hat wie die meisten Containerschiffe ein hohes Vorder und Hinterdeck. Dazwischen liegt ein paar Meter tiefer das riesige Zwischendeck. Darunter sind Container bis zum Boden des Schiffes gestapelt. Die obersten Reihen von Containern ragen aus dem Bauch des Schiffes und sind rot und schwarz. Das könnte für die Identifizierung wichtig sein. Das Schiff an sich ist schwarz. Die meisten Aufbauten weiß."

Rhidian zeigte ein Foto herum. "Auf dem Hinterdeck befindet sich das Deckgebäude mit den Manschaftsquartieren, Küche und Kommandobrücke. Es ist ungefähr 10 Meter hoch. Zwei Treppen führen links und rechts zur Kommandobrücke von wo aus das Schiff gesteuert wird. Eine weitere Treppe befindet sich im Inneren.

Genauso sind auf beiden Seiten identische Türen zu den Mannschaftsquartieren. Diese sind von der Kabitänskajute getrennt. Zur ihr gibt es nur auf der rechten Seite einen Zugang. Parallel befindet sich auf der linken Seite der Zugang zur Kombüse und dem Speiseraum. Der Funkraum ist auf selber Höhe wie die Brücke. Unten befinden sich noch Duschen, Toiletten, Fernsehraum und vieles mehr.

Das Hinterdeck ist überzogen von kleineren Aufbauten die Zugänge zum Schiffsinneren, Maschinenräumen etc. darstellen. Außerdem steht wohl allerlei Zeug herum. Auf dem Vorderdeck gibt es nur eine niedrige Deckhütte von der man auch in das Schiffsinnere gelangt. Wenn wir das Schiff stürmen werden wir wohl über das Vorderdeck gehen, da sich dort niemand aufhält. Natürlich kann man uns von der Brücke aus wunderbar sehen, unter anderem weil sich dort keine sehr gute Deckung befindet. Aber es sind von der Brücke bis zum Vorderdeck fast 200 Meter und die Container dazwischen geben uns mit etwas Glück Sichtschutz. Richtig gefährlich ist der Weg vom Vorder zum Hinterdeck über das Zwischendeck. Links und rechts der Container ist ein etwa zwei Meter breiter Gang. Er liegt natürlich tiefer als die erhöhten Decks. Das wird ziemlich knifflig. Aber wenn man sich eng an die Containerwand presst müsste man von oben nicht gesehen werden. Entscheidungen können wir aber erst vor Ort treffen."

Aus der Tasche nahm er einen Stapel kopierter Schiffspläne und verteilte sie an die Söldner.

Sidney überflog den Plan und schaute dann aus dem Fenster. Sie überflogen gerade den Kanal. Der Himmel war klar und er sah eine der großen Autofähren, die Urlauber und Geschäftsleute von Dover nach Calais und wieder zurückbrachte. Er saß jedoch falsch um die französische Küste zu sehen.

Solche Containerschiffe, wie Rhidian sie eben beschrieben hatte kannte er gut. Nach 25 Jahre Navy kannte er praktisch jeden Schiffstyp. Und noch wichtiger. Er hatte jeden schon mal erstürmt. In Übungen oder auch im Einsatz.

Wie diesen Öltanker 1991. Greenpeaceaktivisten hatten ihn im Hafen von Gibraltar besetzt. Britisches Hoheitsgebiet. Soweit war alles in Ordnung. Die Polizei rückte an um das Schiff zu räumen. Doch irgendein Idiot kam auf die Idee das Schiff in Gang zu setzten und aufs Meer zu fahren. Wenigstens einer der Ökos musste eine Ahnung von Schiffen gehabt haben. Auf jeden Fall verließ der Riese das Hafenbecken. Dabei rammte er ein paar kleinere Schiffe und versenkte ein Polizeipatrollienboot und einen Schlepper. 5 Millionen Tonnen Stahl befanden sich in der Hand von radikalen Umweltschützern. Die Briten waren verdammt sauer darüber, dass sie sich einfach so übertölpeln hatten lassen. Das Schiff brauchte beinahe eine Stunde um den Hafen zu verlassen und sie konnten es trotzdem nicht stoppen. Die Mineralölgesellschaft der das Schiff gehörte rannten der britischen Verwaltungsbehörde die Türen ein. Diese entschlossen sich das Militär einzusetzen um das Schiff zu stürmen. Die SAS-Rotte die in Gibraltar stationiert ist wurde sofort alarmiert und hetzte auf Booten und Hubschraubern dem Tanker hinterher, der sich gerade eine halbe Meile von der Küste entfernt hatte. Die Greenpeace Frauen und Männer hatten es anscheinend schon vorher mit der Angst zu tun bekommen und versuchten das Schiff zu wenden. Dieses schwierige und langwierige Manöver gelang ihnen jedoch nicht. Außerdem wäre es sowieso zu spät gewesen. Der Hubschrauber setzte bereits die ersten bewaffneten Soldaten auf dem Schiffsdeck ab. Von einem der Kanonenboote aus, die das Schiff umkreist hatten, kletterte auch Sidney und sein Team über eine Strickleiter an Bord. Für ihn war das nichts weiter als ein Auftrag und die Besetzter Ziele. Trotzdem stieß es ihm auf als die Soldaten die Umweltschützer mit Kolbenschlägen und Tritten aufs Deck trieben und dort auf sie einprügelten. Sidney wollte nicht gegen Zivilisten kämpfen und hielt sich raus. Aber ihm war klar, dass er sich nicht immer einfach nur umdrehen und weg schauen konnte. Irgendwann würde man ihm befehlen zuzuschlagen. Davor hatte er Angst.

Doch anscheinend würden solche Einsätze gegen Demonstranten immer häufiger vorkommen. Für Sidney waren sie alle Fundamentalisten die gegen das Commonwealth, England, die Queen und die Ordnung waren. Trotzdem wollte er nicht gegen sie vorgehen. Bei Einsätzen gegen Greenpeaceschiffe im Pazifik bis er die Zähne zusammen oder meldete sich krank. Die Oberen reagierten prompt und versetzten den Eigenbrötler und Sturkopf in eine Kadettenschule. Das war zu viel für den stolzen Sidney gewesen und er nahm seinen Hut.

Das war erst vor wenigen Tage gewesen und doch kam es ihm so weit weg vor, als er nun in diesem Flugzeug darüber nachdachte. Ridhian fuhr mit seinem kleinem Vortrag fort nachdem jeder das Bild und die Pläne genau betrachtet hatte.

"Der Name 'New Ocean Star' ist am Heck eingemeißelt und kann nicht so einfach entfernt werden. Die Piraten werden trotzdem versuchen dies möglichst schnell zu tun. Außerdem müssen sie nach den Unterlagen bald einen Hafen anlaufen um neue Lebensmittelvorräte zu bunkern. Möglicherweise kommen auch irgendwo neue Besatzungsmitglieder an Bord. Spätestens wenn sie versuchen die Ware ab oder umzuladen kriegen wir sie. Denn dazu brauchen sie Kräne und viele mechanische Anlagen. Die 'New Ocean Star' verfügt selbst nur über zwei kleine einklappbare Kräne an Vorder und Hinterdeck. Diese können aber nie im Leben die großen schweren Container heben. Sie wurden nur für kleinere Lasten gebaut. Dazu brauchen sie einen schweren Kran. Und solche gibt es nur in größeren Häfen, und dort sitzen unsere Informanten. Das Bild der 'New Ocean Star' ging bereits heute morgen per Fax an alle unsere Leute in Südostasien. Die halten die Augen offen und informieren uns wenn ein solches Schiff versucht einen Hafen anzulaufen." Er holte ein Satellitentelefon aus der Aktentasche und legte es neben sich auf den Sitz.

Doch das Telefon sollte nicht klingeln. Nur einmal rief Folby an und sagte das bisher noch keine Informationen eingegangen waren.

Sidney nutzte die Gelegenheit um sich mit den Männern bekannt zu machen. Hamleigh und Biggs waren tatsächlich beim SBS gewesen. Ebenso wie Ronald , einer der Männer die in London zugestiegen waren. Sie waren alle etwa zehn Jahre jünger als Sidney und er kannte bis auf Ronald keinen von ihnen persönlich. Mit diesem war er eine Weile im Golfkrieg zusammen, wo sie Scudraketen außer Gefecht gesetzt hatten.

Jack Wilson und O`Harrow kamen vom Special Air Service der über wesentlich mehr Personal verfügte als der Special Boat Service. Deshalb wunderte es Sidney auch nicht, dass er die Männer nicht kannte. Marqui und Sven Föhrenson waren die einzigen Nichtbriten im Team.

Föhrenson war ein Norweger. Er war anscheinend ein hervorragender Froschmann und Minentaucher. Er redete nicht viel und hielt meistens den Mund.

Marqui war bei den französischen Kampftauchern gewesen und hatte lange Erfahrung im maritimen Kampfeinsätzen sowie bei der Erstürmung von Bohrinseln und Geiselbefreiungen. Er sollte anscheinend ein Team führen, Sidney das andere. Er wunderte sich wieso ausgerechnet er als Neuling diese Aufgabe übernehmen sollte. Wahrscheinlich wollte John Folby ihn testen

Der letzte Mann ihm Team war kein Mann sondern eine Frau. Jane Nigel, ihre Aufgabe bestand darin sich mit den Informanten in Asien in Verbindung zu setzten und zu dolmetschen. Sie sagte, dass sie fließend Indonesisch, Malaiisch und Spanisch sprechen konnte. Sie stellte anscheinend eine unersetzbare Stütze für Rhidian River da. In der Umgebung von all diesen Männern schien sie sich trotz ihres Geschlechts nicht unwohl zu fühlen.

Der Pilot zeigte ihr eine Kühlbox mit Proviant und ging in der Annahme sie würde nun das Essen verteilen. Statt dessen öffnete sie die Box und drückte dem Riesen Hamleigh zwei Termoskannen in die Hand und befahl im wirsch den Tee zu verteilen. Sidney bekam einen Pack Lunchpakete in den Schoß gelegt und musste sie wohl oder übel verteilen, wenn er nicht wollte, dass die Sauce, die aus den durchweichten Servietten quoll, sich noch vollständig auf seine Hose verteilte.

Wieder so eine neue Sitte.

Sidney fügte sich. Wenigstens war sie hübsch. Sogar sehr hübsch, wenn er sie genauer betrachtete. Groß, dunkelblond und mit gebräuntem Gesicht. Ihre restlich Haut war jedoch wie bei den meisten Engländerinnen milchig weiß. Was er in ihrem Ausschnitt gut sehen konnte.

Sidney riss sich zusammen. Die Kleine konnte seine Tochter sein. Er müsste sich endlich klar machen, dass er nicht mehr der 20jährige Matrose auf Landgang war.

Er biss in die matschige Brotpampe und hoffte, dass der Pilot die Sandwiches nicht selbst gemacht hatte. Dieser suchte nämlich gerade unter dem Flugsitz zwischen Butterbrotpapier und Plastikflaschen nach seinem heruntergefallen Sandwiche und förderte dabei jede Menge Kaugummis, Dosen und Schokoriegel zu Tage, die alle schon länger als eine Woche dort zu liegen schienen.
Jane schien seinem Blick zu Folgen und erriet seine Gedanken. "Gute Piloten sind schwer zu finde. Gute Piloten die Ordentlich sind überhaupt nicht." raunte sie ihm zu.

Sidney antwortete nicht sondern widmete sich wieder seinem Imbiss. Er wandte sich an River:

"Wie sieht es eigentlich mit Ausrüstung aus?"

"Machen wir alles, wenn wir gelandet sind. Das heißt, wenn wir wissen wo wir landen sollen." Er sah skeptisch auf das Sattelittentelefon.

Nach beinahe 16 Stunden Flug war es dann endlich soweit. Das Telefon klingelte und Rivers Gesicht hellte sich auf. Er lehnte sich zum Piloten vor und gab ihm Anweisungen.

Schließlich landeten sie auf einer kurzen holprigen Dschungelpiste. Sie waren in Malaysia und Hitze der Tropen hing über dem Dschungel.

Alle stiegen aus und vertraten sich die Beine. Sidney ertappte sich dabei wie er Jane anstarrte als sie sich streckte. Föhrenson grinste dämlich, hielt aber gottseidank die Klappe.

Rhidian holte von hinten aus dem Flugzeug mehrere Sporttaschen. "Für jeden von ihnen eine Reisetasche mit ein paar Kleidern, Rasierzeug, Geld und Reiseschecks. Mehr brauchen sie nicht. Das wichtigste ist hier. Er öffnete einen großen Seesack und zeigte den Anwesenden eine schwarze Sturmhaube und einen Kampfanzug. Dann öffnete er einen großen Koffer und Sidney sah aneinandergereiht und durch Schaumstoff getrennt, jede Menge 9mm Browning Automatic Pistolen.

Bridge machte schnell den Deckel zu und verstaute alles wieder im Flugzeug als sich ein Kleinbus auf der Piste näherte. Der klappriger alter Mercedesbus hielt mit quietschenden Bremsen neben dem Flugzeug. Der malaiische Fahrer reckte den Kopf heraus und rief in passablem Englisch: "Gentlemen, ich sein Haio, ich bring euch in die Stadt. Mister Folby hat mich angerufen."

Rhidian River nickte zustimmend: "OK, ich weiß davon, packt alle mit an." Sie verstauten die Kisten und Koffer aus dem Flugzeug im Kleinbus und stiegen dann ein. Der Pilot, blieb bei seinem Flugzeug und sah den in einer Staubwolke davon brausendem Fahrzeug nach.

Sie fuhren auf Dschungelwege und durch kleine Dörfer mit schäbigen Holzhütten. Nach etwa 30 Minuten Fahrt hielten sie vor einem kleinem Hotel in einer noch kleineren Stadt. Sidney brachte seinen Koffer auf ein Zimmer, das er zusammen mit Marqui, Ron und Jack Wilson bewohnte. Nur Jane hatte ein eigenes Zimmer.

River gab ihnen 15 Minuten sich zurecht zu machen und rief sie dann in sein Zimmer, wo er zwischen Biggs und Hamleigh auf dem Bett saß.

"Wir haben zwei Tipps bekommen. Hier ganz in der Nähe soll ein Schiff im Hafen liegen das die 'New Ocean Star' sein könnte. Wir werden, dass heute noch überprüfen. Der zweite Tipp von einem Informanten in Indonesien lautet, dass dort ein Schiff von der Art der 'New Ocean Star' Vor etwa 2 Stunden die Küste entlang fuhr. Jedoch nicht den Hafen ansteuerte. Wir fliegen sofort dort hin wenn hier alles geklärt ist. Also, worauf warten sie meine Herren? Sidney, Marqui und sie Mrs Nigel kommen mit. Die anderen bleiben hier und bewachen die Ausrüstung. Am besten zeige ich ihnen gleich das ganze Material.

Jane, könnten sie bitte das Fenster schließen und die Vorhänge zuziehen? Jack lehn dich mal an die Tür. Ich konnte keinen Schlüssel dafür finden."

Geheimniskrämend zog River mit Biggs Hilfe eine schwere Kiste unter dem Bett hervor. Er erbrach mit einem Messer das Metallsiegel und öffnete die Kiste dann mit einem Schlüssel. Er klappte den Deckel hoch. In der Kiste war angefühlt mit Glaswolle. Bridge schob das Isolierungsmaterial auseinander zum Vorschein kam eine Heckler&Koch Maschinenpistole vom Typ MP5. Rhidian holte noch eine zweite und eine dritte hervor.

"Für jeden ist eine Maschinenpistole da. In dem Koffer sind wie Sie schon wissen 9mm Pistolen. In dem zweiten Koffer sind volle Magazine für die MPs und die Automatics. Wenn uns damit jemand kontrolliert sind wir geliefert! Also passen Sie auf, was sie sagen. Sie sind Touristen auf Urlaub! Jetzt fahren wir zum Hafen."

Er packte die Waffen wieder in die Kiste und sperrte ab. Dann verließen sie das Hotel und stiegen wieder zu Haio in den Bus.

Das Meer war nicht weit weg. In wenigen Minuten hatten sie ihr Ziel erreicht. Ihr Hotel befand sich nur in einem abgelegenem Vorort der Stadt. Plötzlich lag der große Hafen vor ihnen. Das Schiff, das sie suchten war klar zu sehen. Es war das größte Schiff im Hafen und lag Backbord an der Kaimauer an der tiefsten Stelle des Hafenbeckens. Die vier schlendernden hin.

Es war ein Containerschiff. Weiß und mit grauen Aufbauten. Sidney schätzte es auf mindestens 200 Meter. Der Name "Seadust" prangte in großer schwarzer Schrift am Bug.

"Sieht nicht so aus, als wäre das das Schiff, nach dem wir suchen. Sehen sie sich die Aufbauten an." Er zeigte das Foto der New Ocean Star. Sidney verglich die Antennen, Radarschirme und die Anordnung der Fenster und kam zum selben Ergebnis wie River.

Er sah jedoch etwas, was seltsam war. Die Stelle auf welcher der Name "Seadust" stand, schien bearbeitet zu sein. Die weiße Farbe hinter dem Schriftzug war heller als die Farbe des restlichen Schiffes. Er machte River darauf aufmerksam.

"Sie haben recht! Sieht aus, als wäre vor kurzem der Name geändert worden. Sieht nicht so aus als würde sie bald wieder auslaufen. Am besten suchen wir erstmal unseren Informanten." River schritt zielstrebig zu einer Kneipe am Hafenrand.

Um diese Tageszeit, nämlich etwa 12 Uhr mittags war die Kneipe ziemlich leer. Zwei asiatische Matrosen saßen in einer Ecke und tranken Bier aus Dosen. River trat an den Tresen. Nach einiger Zeit erschien der Wirt und gab jedem wortlos ein Dosenbier. Rhidian nickte ihm zu. Der Wirt blickte ihn erwartungsvoll an:

"Und Mister? Ist es das Schiff das sie suchen?"

"Anscheinend nicht. Was wissen sie über das Schiff?"

"Die 'Seadust' ist heute Nacht eingelaufen. Philippinische Mannschaft, japanischer Kapitän. Sie kam mir verdächtig vor, weil der Name vor kurzem geändert wurde. Außerdem verlässt die Mannschaft kaum das Schiff als ob sie auf etwas warten."

Rhidian trank sein Bier aus und bezahlte mit einem hundert Dollarschein, der sicherlich ausgereicht hätte das gesamte Lokal zu erwerben.

"OK, gute Arbeit, aber wahrscheinlich Fehlalarm. Halten Sie weiter die Augen offen."

Sie verließen die Kneipe und drängten sich durch die Menschenmenge wieder zum Schiff. Auf dem Hafengelände wurde es von Minute zu Minute voller. Matrosen kehrten vom Landgang auf ihre Schiffe zurück, Frachten wurden entladen und Lebensmittel von zahlreichen Händlern auf die Schiffe gebracht. Schließlich postierten sie sich in unmittelbarer Nähe der Brücke die auf das Deck der Seadust führte.

Rhidian zog eine Sofortbildkamera aus einer Leinentasche hervor die er umgehängt hatte und schoss einige Fotos von der Seadust.

"OK, fahren wir wieder zum Hotel. Ich hab dort ein Faxgerät gesehen. Wir faxen die Bilder rüber nach Manchester, damit die das Schiff identifizieren. Wir warten nicht auf ihre Antwort sondern fliegen gleich weiter nach Indonesien, wo die zweite Meldung über ein Schiff herkam."

Zwei Stunden später hockten sie wieder in der Dassauld und nahmen Kurs nach Süden. Der Pilot murrte, da er kaum zum Schlafen gekommen war und warf Rhidian vor, sein Verhalten sei unverantwortlich und er ignoriere die Sicherheitsbestimmungen. Rhidian machte sich nichts daraus und wuchtete die Waffenkisten in die Maschine.

Unter ihnen zogen die vielen kleinen Inseln vorbei die immer größer und zahlreicher wurden je näher sie Sumatra, einer der Hauptinseln Indonesiens kamen. Dieses Mal ging die Maschine noch unsanfter zu Boden als das erste Mal und die Insassen wurden kräftig durchgeschüttelt. Wieder holte sie ein Bus ab und brachte sie zu einem Fischerdorf. Dort stiegen Rhidian und Jane aus um mit einem Fischer zu sprechen der quer über den Dorfplatz kam. Jane dolmetschte, da der Fischer im Gegensatz zum Kneipenwirt kein Wort Englisch sprach. Marqui beugte sich zu Sidney vor: "An die Prozedur werden sie sich noch gewöhnen. Das MRM hat überall in Asien Leute hocken. Die halten die Augen offen und sagen uns, wenn sie ein Schiff gesehen haben das wir suchen."
"Wie erfahren sie nach welchen Schiffen gesucht werden?"

"Die meisten haben Telefon. Wer keins hat, geht jeden Tag aufs Postamt und sieht nach ob ein Telegramm für ihn gekommen ist. Trotz dieser Schwierigkeiten ist die Methode recht effektiv. Nach 24 Stunden trifft meistens schon die erste Meldung ein. Bezahlt wird nach Erfolg."

Rhidian und Jane kamen zurück. Vorher hatte unauffällig ein Geldschein den Besitzer gewechselt.

"OK Leute. Anscheinend haben wir unseren Kandidaten gefunden. Die "New Ocean Star" ist mit ziemlicher Sicherheit hier vorbei gekommen und zwar keine eineinhalb Meilen von der Küste entfernt. Die Piraten sind noch nicht einmal dazu gekommen den Namen zu ändern. Deshalb ist es um so seltsamer, dass sie so nah an der Küste fahren. Mit einem gestohlenem Schiff hält man sich eigentlich immer schön weit draußen auf. Außer..."

"Außer man will einen Hafen anlaufen." beendete Marqui den Satz.

"Stimmt. Kommt mal alle her." Rhidian breitete eine Landkarte in sehr hohen Maßstab auf dem Kühler aus. "Das ist die genaueste Karte die man von diesem Teil der asiatischen Inselwelt bekommen kann. Ein Freund bei Lloyds hat uns einen ganzen Karton voll mit solchen Karten besorgt. Sie ist erst ein halbes Jahr alt und wird jedes Jahr erneuert. Jedes noch so kleine Dock, Fischersiedlung oder Leuchtfeuer ist eingezeichnet."

Rhidian begann zu rechnen und murmelte Zahlen und Entfernungen vor sich hin.

"OK, das Schiff war 1,5 Meilen von der Küste entfernt und fuhr nach Osten. Es wird wahrscheinlich einen Hafen anlaufen, der nicht mehr als 5 oder 7 Meilen von hier entfernt ist. Wir befinden uns hier." Rhidian legte seinen Finger auf ein kleines Dorf auf der Karte und zog mit einem Taschenzirkel einen Kreis darum. "Well, da hätten wir nur zwei Plätze zu Auswahl. Eigentlich nur einen."

Alle beugten sich noch mehr über die Karte, denn jeder wollte etwas sehen.

"Der erste Ort ist ein kleiner Fischerhafen. Würde mich wundern, wenn dort ein so großes Schiff anlegen könnte. Der zweite ist eine verlassene Hafenanlage noch aus der Zeit als Indonesien niederländische Kolonie war. Dort wurde wahrscheinlich Baumwolle oder sonst was verladen. Das schauen wir uns auf jeden Fall an. Alles aufsteigen, es geht los!"

Rhidian versuchte mit Hilfe von Jane als Übersetzerin dem Fahrer während der ganzen Fahrt klarzumachen, welchen Weg er fahren sollte. Aber der Eingeborene würdigte der Karte, die Bridge ihm die ganze Zeit über hinhielt keines Blickes und folgte mehr schlecht als recht Janes Anweisungen, die ihm immer sagte, ob er links, rechts oder geradeaus fahren sollte. Sidney kam der Verdacht, dass der Mann möglicherweise Analphabet war und mit einer Landkarte überhaupt nichts anfangen konnte.

Trotz aller Mühen erreichten sie das Ziel dennoch vor Einbruch der Dunkelheit. An dieser Stelle fiel die Küste steil ab und die Straße war in den Hang gegraben worden. Ein noch holpriger Dschungelweg zweigte von der Straße ab und führte mit einem solch hohen Gefälle nach unten zum Meer, dass Sidney jeden für verrückt erklärt hätte, der ihm weiß machen wollte, darauf könnte irgendein Fahrzeug ohne Totalschaden nach unten kommen. River schien gottseidank auch keinen Lust auf solche Experimente zu haben und teilte dem Fahrer mit Janes Hilfe mit, dass er hier warten solle.

Der Fahrer fuhr den Bus ganz knapp an die Felswand, die sich rechts von der Straße erhob, um andere Fahrzeuge vorbeizulassen. Völlig unnötigerweise, da wohl den ganzen Tag noch keine 3 Autos hier vorbeigekommen waren.

Sidney und die anderen folgten River, der sich auf die kleine Steinmauer am Straßenrand gestellt hatte und mit einem Fernglas über das Blätterdach des Dschungels hinweg aufs Meer schaute.

Die Sonne ging gerade unter und tauchte das Meer, die Felsen und die "New Ocean Star" in rotes Licht.

Riesig lag das Containerschiff im halbverfallenen Hafen. Es bestand kein Zweifel. Selbst ohne Fernglas konnte Sidney die rot schwarzen Container, die charakteristischen Aufbauten und die Antennen erkennen.

Das Schiff lag etwa 50 Meter vom Ufer entfernt. Ein langer Betonsteg führte von dort zum Land. Ein großer alter Kontor aus Stein bildete das einzige Gebäude des alten Hafens. Um ihn herum waren ein Dutzend Wellblechhütten gebaut worden. Rhidian drückte Sidney das Fernglas in die Hand und er betrachtete des Geschehen. Um und im Kontor herrschte ein geschäftiges Treiben. Männer brachten Blechteile, Eisenstangen und Kisten aus dem Gebäude und trugen sie zum Schiff oder von Hütte zu Hütte. Frauen kochten vor ihren Hütten das Abendessen und nackte Kinder spielten in den Pfützen die der Monsumregen hinterlassen hatte.

"Merde, was ist das?" paffte Marqui.

"Ein kleines hübsches Piratennest. Solche Dörfer dürfte es in diesen Breiten Hunderte geben. Arme Fischer, die sich gerne ein Zubrot verdienen. Dagegen kann man nichts einwenden. Sie sind wohl gerade dabei den Namen zu verändern."

Das Fernglas ging schon die ganze Zeit von einem zum anderen. Am Heck der "New Ocean Star", wo ihr Name eingemeißelt war, war ein Art klappriges Gerüst aufgebaut worden. Das auf dem Betonsteg, der ins Meer führte, stand. Dort oben saßen in mehrere Männer, die mit Flexsägen und Schweißgeräten hantierten.

Sidney war mal wieder an der Reihe, dass Fernglas zu halten. "Sieht so aus, als ob sie schon fast fertig sind. Wies wohl auf der anderen Seite aussieht?" Er reichte das Fernglas weiter.

Rhidian nahm das Glas "Ich schätz mal, da haben sie den Namen schon geändert. Das Schiff liegt ja jetzt fast schon 12 Stunden hier." Rhidian sah auf seine Uhr und rechnete wohl die Zeit zusammen.

"11 Stunden, wenn man genau ist." Antwortete Sidney. Trotz mehrfachem Wechseln der Zeitzonen, hatte sein Zeitgefühl nicht gelitten, dass er sich in 25 Jahren bei der Marine angeeignet hatte.

"Ok, lasst uns handeln bevor sie wieder ablegen." Biggs reichte das Fernglas weiter, "und wäre vielleicht jemand in der Lage, die beiden anderen Ferngläser aus dem Bus zu holen?"

Der Fahrer legte den Rückwärtsgang ein, nachdem River ihn mit einem Knuff auf die Schultern auf etwas grobe Art klargemacht hatte, das er an dem gewünschten Ziel, einem Felsstrand, der flach zum Meer abfiel, vorbeigefahren war. Der Fahrer, er hieß Fuimiero, dachte sich seinen Teil über diese komischen Briten. Total verrückt, führen sich auf wie Idioten und hetzten von einem Ort zu anderen. Fuimiero mochte es gemütlich, seine Frau hetzte ihn schon genug herum. Sie hatte ihm auch überredet, Touristen herumzukutschieren, seit sein Job als Mechaniker nicht mehr genug Geld für die Großfamilie einbrachte. Doch egal wie viele Dollars er jeden Abend nach Hause brachte, war seine Frau schlecht gelaunt und warf ihm vor, nur mit dem teuren "Automobil" spazieren zu fahren. Aber sie hatte es ja auch schwer, mit den 7 kleinen Kindern, den 2 Enkeln und den Schwiegertöchtern. Diesmal würde er was zu erzählen haben, von den 9 Briten und der Frau mit den gelben Haaren. Wie sie schön aufgereiht nebeneinander auf der Mauer standen und das Camp durch das schwarze Doppelfernrohr anschauten. Und seine zwei ältesten Söhne würden erst Staunen.

Sie arbeiteten nämlich in dem Camp.

Er schmunzelte, als er daran dachte und den Wagen zurücksetzte.

 

 

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Von Job


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